- AutorIn
- Dr. med. Charlotte Elisabeth Becker
- Titel
- Atemwegsmanagement und pulmonale Aspiration in der peripartalen Chirurgie
- Untertitel
- eine retrospektive Analyse
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-991651
- Erstveröffentlichung
- 2025
- Datum der Einreichung
- 17.12.2024
- Datum der Verteidigung
- 09.09.2025
- Abstract (DE)
- Zusammenfassung Hintergrund Schwangere haben nach allgemeiner Meinung ein erhöhtes Aspirationsrisiko. Die Angaben zur Inzidenz allgemein und bei Schwangeren sind in der Literatur nicht einheitlich. Trotz medizinischen Fortschritts, der das Risiko verringern könnte, scheint die pulmonale Aspiration ein potenzielles Problem zu bleiben. Zusätzlich stellt der schwierige Atemweg bei Schwangeren eine besondere Herausforderung dar, da anatomische und physiologische Veränderungen während der Schwangerschaft das Risiko für eine schwierige Intubation erhöhen. Von der überwiegenden Zahl der Autoren wird dennoch die Intubation und hier im Besonderen die RSI als Mittel der Wahl zur Sicherung der Atemwege bei peripartalen Eingriffen genannt. Auch wenn im Einzelnen umstritten ist, ab welchem Zeitpunkt Schwangere intubiert werden sollten, besteht weitgehende Einigkeit, dass sie überhaupt intubiert werden. In jüngerer Zeit geäußerte Zweifel haben offensichtlich noch keinen nachhaltigen Einfluss auf das wissenschaftliche Meinungsbild gehabt und sind vereinzelt geblieben. Schonendere Möglichkeiten, den Atemweg zu sichern, haben in den vergangenen drei Jahrzehnten vor allen Dingen mit der Larynxmaske Eingang in den klinischen Alltag gefunden. In Hinblick auf peripartale Eingriffe wurde ihr Einsatz jedoch primär im Kontext von elektiven Schnittentbindungen untersucht. In Abhängigkeit von der Anwendungssicherheit der Larynxmasken könnte ein alternatives Atemwegsmanagement auch für andere Eingriffe im Zusammenhang mit der Schwangerschaft bereitstehen. Fragestellung/Hypothese Die vorliegende Arbeit untersucht die Inzidenz pulmonaler Aspiration. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Verwendung supraglottischer Atemwegssicherungen oder der einfachen Beutel-Masken-Ventilation während peripartaler Eingriffe im Vergleich zur endotrachealen Intubation häufiger zu pulmonalen Aspirationen führt. Material und Methode Es erfolgte eine retrospektive Auswertung von Operationsprotokollen in einem Universitätskrankenhaus, um die Inzidenz der pulmonalen Aspiration bei schwangeren Patientinnen zu bestimmen, die sich einem Eingriff mit endotrachealer Intubation mit und ohne Rapid Sequence Induction (RSI) oder einem Eingriff mit Beutel-Masken-Ventilation oder Anwendung einer supraglottischen Atemwegshilfe unterzogen. Eingeschlossen wurden Patientinnen im 2. und 3. Trimester der Schwangerschaft sowie postpartale Patientinnen mit Operationsindikation. Die Auswahl der Fälle erfolgte anhand spezifischer ICD- und OP-Codes, die der Cerclage der Cervix uteri (5-674), der manuellen Entfernung der Retentionsplazenta (5-756), der Reparatur einer geburtshilflichen Risswunde (5-758) oder der Behandlung einer postpartalen Blutung (O72) entsprechen. Der primäre Endpunkt war das Auftreten einer pulmonalen Aspiration. Untersucht wurden auch Verdachtsfälle. In die Untersuchung flossen die Charakteristika sowohl der Patientinnen als auch der Eingriffe mit ein. Darüber hinaus wurde das Vorliegen eines schwierigen Atemwegs untersucht. Ergebnisse Daten von insgesamt 2.390 Patientinnen wurden ausgewertet. Pulmonale Aspirationen wurden nicht festgestellt. Es gab 64 Ereignisse (bei insgesamt 54 Patientinnen), die den Verdacht einer pulmonalen Aspiration nahelegten, von denen sich jedoch keiner bestätigt hat. Während des gesamten Zeitraums wurden 27 % der Patientinnen intubiert, 60 % erhielten eine Atemwegssicherung in Form einer Larynxmaske oder einer Beutel-Masken-Beatmung. Eine RSI wurde bei 82 % der intubierten Patientinnen eingesetzt, bzw. bei 22 % aller Patientinnen. Ein wesentlicher Anteil der Operationen zeichnete sich durch ein erhöhtes Risiko aus. So wurden 32,5 % aller Eingriffe unter notfallmäßiger (binnen zwei Stunden) oder vitaler (sofort) Indikation durchgeführt, insgesamt 14 % der Patientinnen waren für die Intervention weniger als vier Stunden nüchtern und 0,7 % der Schwangeren wurden mit einem ASA-Score ≥ 4 klassifiziert. Der Verzicht auf die Intubation war nicht mit einem erhöhten Aspirationsrisiko verbunden. Eine schwierige Intubation trat bei 9 von 638 intubierten Patientinnen auf. Schlussfolgerung Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei dieser geburtshilflich-chirurgischen Patientenpopulation, bei der ein erhöhtes Risiko einer pulmonalen Aspiration bestand, in 60 % der Fälle supraglottische Atemwegsvorrichtungen verwendet wurden. Es wurde jedoch weder ein Aspirationsereignis mit einem supraglottischen Atemweg noch mit einer endotrachealen Intubation festgestellt. Die Hypothese bestätigte sich demnach nicht. Das Ergebnis ist hinsichtlich der in der Literatur diskutierten Inzidenz pulmonaler Aspirationen nicht überraschend.
- Freie Schlagwörter (DE)
- pulmonale Aspiration, Schwangerschaft, Aspiration, Atemwegsmanagement, Larynxmayke
- Freie Schlagwörter (EN)
- pulmonary aspiration, pregnancy, aspiration, airway management, larynx mayke
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- YQ 2504
- GutachterIn
- PD Dr. Thomas Kiss
- Prof. Dr. Cahit Birdir
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-991651
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 30.10.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-ND 4.0