- AutorIn
- Dr. med. Clemens Kohl
- Titel
- Molekulare Sequenztypisierung von klinischen Legionella pneumophila Isolaten der Serogruppe 1 und deren Epidemiologie
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-990995
- Erstveröffentlichung
- 2025
- Datum der Einreichung
- 09.05.2025
- Datum der Verteidigung
- 16.09.2025
- Abstract (DE)
- Legionellen sind gram-negative, ubiquitär in der Umwelt vorkommende Bakterien, die als Krankheitserreger beim Menschen entweder die Legionärskrankheit oder das Pontiac-Fieber auslösen können. Mit einer Inzidenz von 1,8 (2021) und einer Mortalität von 9 % (2021) stellen Legionellosen ein ernstes Krankheitsbild dar, welches einer schnellen Diagnose und einer adäquaten Therapie bedarf. Die Untererfassung der Legionelleninfektionen wird auf den Faktor 15-30 geschätzt. Die Zielsetzung dieser Arbeit war die experimentelle Analyse von 97 klinischen Legionella pneumophila SG1 Isolaten mit dem 7-gene-SBT Schema sowie die epidemiologische Analyse der Legionellenpopulation in den Jahren 2018 und 2019 in Deutschland unter Einbeziehung des mAb-Typs, des Erkrankungsalters sowie der geographischen Verteilung. Dafür wurde neben den typisierten klinischen Isolaten die Datenbank des Konsiliarlabors für Legionellen in Dresden sowie die Meldefälle nach §7 IfSG an das Robert Koch-Institut Berlin herangezogen. Der Nachweis einer Infektion erfolgte größtenteils durch den Einsatz eines Urin-Antigen-Tests (UAT), sowie wesentlich seltener durch eine positive Kultur oder Nukleinsäure- amplifikationsverfahren (PCR). Im betrachteten Zeitraum dominierte mit 83,1 % L. pneumophila SG 1, gefolgt von den SG 2-15 mit 12,3 % sowie den L. spp. mit 3,2 %. Unter den Stämmen mit der SG 1 zeigten sich die mAb 3/1 positiven Stämme mit einer Nachweisrate von 68,7 % (n=125) dominant. Am häufigsten wurden mit 20,5 % (n=45) der Subtyp Knoxville sowie mit 16 % (n=35) der Subtyp Allentown/France bestimmt. Der mAb 3/1 negative Subtyp OLDA trat am dritthäufigsten bei 14,2 % (n=31) der klinischen Isolate auf. Der häufigste bei den klinischen Isolaten nachgewiesene Sequenztyp ist der ST 1 in 19,5 % (n=34) aller Nachweise, gefolgt von ST 182 in 8,6 % (n=15), ST 62 in 8 % (n=14), ST 23 in 6,9 % (n=12) und ST 9 in 6,3 % (n=11) der Fälle. Damit präsentiert sich die epidemiologische Situation hinsichtlich der dominierenden Sequenztypen stabil und ohne wesentlich Veränderungen innerhalb der letzten fünf Jahre. Es konnten neun neue Sequenztypen identifiziert werden, welche in sechs Fällen aus einer Kombination von bereits bekannten Allelvarianten entstanden. Zweimal führte jeweils eine neue Allelvariante zu einem neuen Sequenztyp und einmal konnte ein Stamm mit drei neuen Allelvarianten bestimmt werden. Jeder neue Sequenztyp wurde nur einmal nachgewiesen. Die Geschlechterverteilung lag innerhalb der Meldedaten des RKI bei 70,7 % (n=2118) männlichen Patienten, 29,2 % (n=873) weiblichen Patientinnen und 0,1 % (n=3) unbekannten Geschlechts. 72,6 % (n=159) der nach Dresden eingesandten Proben gehörten zu männlichen Patienten, 23,3 % (n=51) konnten weiblichen Patientinnen zugeordnet werden und bei 54 4,1 % (n=9) erfolgte die Einsendung ohne Geschlechtsangabe, so dass sich kein statistisch signifikanter Unterschied in der Geschlechtsverteilung zwischen Konsiliarlabor und RKI ergab. Das Durchschnittsalter beider Geschlechter betrug innerhalb der im Konsiliarlabor bearbeiteten Kohorte 59,52 (95 % CI, 57,71-61,34) Jahre. Der Altersdurchschnitt in der RKI-Kohorte lag mit 63,3 (CI 95 %; 62,8 – 63,8) Jahren signifikant (p<0,01) höher. Außerdem waren Männer bei Infektion jünger als Frauen. Dieser Zusammenhang stellte sich jedoch nur in den Daten des RKI als statistisch signifikant (p<0,05) dar: 62,8 (CI 95 %; 62,2 – 63,39) vs. 64,5 (CI 95 %; 63,54-65,46) Jahre. In dieser Arbeit konnten epidemiologische Eigenschaften von Legionellen für den Zeitraum 2018-2019 in Deutschland bestimmt werden und so zu einer aktuellen Erregersurveillance beigetragen werden. Es wurde festgestellt, dass nur ein Bruchteil der im Konsiliarlabor bearbeiteten Fälle vom Öffentlichen Gesundheitsdienst auch an das RKI gemeldet werden, so dass die Meldedaten weiterhin unvollständig bleiben. Die ermittelten Daten geben einen Überblick über die dominierenden Sero- und Sequenztypen und zeigen Unterschiede zu anderen Ländern auf.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Legionellen, Sequenzierung, SBT
- Freie Schlagwörter (EN)
- Legionella, sequencing, SBT
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- XD 4904
- GutachterIn
- Prof. Dr. Florian Gunzer
- Prof. Dr. David Poitz
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-990995
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 30.10.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY 4.0