- AutorIn
- Dr. med. Jedrzej Balcerczyk Medizinisches Fakultät der TU-Dresden
- Titel
- Retrospektive Auswertung von operativ behandelten Patienten mit Frakturen bei ankylosierender Wirbelsäulenerkrankung
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-989673
- Erstveröffentlichung
- 2025
- Datum der Einreichung
- 11.03.2025
- Datum der Verteidigung
- 02.09.2025
- Abstract (DE)
- Hintergrund Ankylosierende Wirbelsäulenerkrankungen wie Morbus Bechterew und die Diffuse Idiopathische Skelettale Hyperostose (DISH) führen durch fortschreitende Verknöcherung der Wirbelsäule zu einer massiven Einschränkung der Flexibilität. Dies erhöht das Risiko für instabile Frakturen selbst bei niedrig energetischen Traumata erheblich. Solche Frakturen sind nicht nur schwerwiegender als herkömmliche Wirbelsäulenverletzungen, sondern bleiben aufgrund unspezifischer Symptome häufig initial unerkannt. Zudem besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für neurologische Defizite und eine überproportionale Komplikationsrate, unter anderem durch schlechte Knochenheilung, Osteoporose und kardiopulmonale Begleiterkrankungen. Die operative Stabilisierung dieser Frakturen ist aufgrund der veränderten biomechanischen Verhältnisse und der oft verminderten Knochenqualität besonders anspruchsvoll. Eine adäquate Versorgung erfordert daher stabile Fixationstechniken und eine interdisziplinäre Behandlung, um optimale funktionelle und neurologische Ergebnisse zu erzielen. Fragestellung Ziel dieser Untersuchung war die monozentrische Analyse der postoperativen Überlebensraten und Komplikationen bei Patienten mit Frakturen infolge ankylosierender Wirbelsäulenerkrankungen. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass Patienten mit diesen Erkrankungen aufgrund ihrer spezifischen pathophysiologische Besonderheiten eine erhöhte postoperative Mortalität sowie eine erhöhte Komplikationsrate aufweisen. Material und Methoden Zwischen 2016 und 2020 wurden 65 Patienten (78,1% männlich, 21,9% weiblich) mit insgesamt 137 frakturierten Wirbelkörpern operativ behandelt. Die Datenerhebung erfolgte retrospektiv anhand der Patientenakten sowie durch telefonischen Kontakt mit den Patienten oder ihrer Angehörigen. Der Zeitraum zwischen der Operation und dem telefonischen Follow-Up betrug durchschnittlich 41,4±17,4 Monate (Min.13–Max.69). Die lokale Ethikkommission erteilte ihr schriftliches Einverständnis zur Studie. Die statistische Auswertung wurde mit Microsoft Excel für Windows und SPSS Version 28 durchgeführt; das Signifikanzniveau wurde auf p<0,05 festgelegt. Ergebnisse Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug 75,6±11,4 Jahre. Die Patienten litten an mehreren Begleiterkrankungen, mit einem mittleren Charlson-Komorbiditätsindex von 4,7±2,2. Die häufigsten Frakturen traten im Bereich der Brustwirbelsäule auf, gefolgt von der Hals- und Lendenwirbelsäule. Ein sensomotorisches Defizit wurde präoperativ bei 9,2% der Patienten festgestellt, postoperativ stieg dieser Anteil auf 10,8%. In 29 Fällen (44,6%) traten Komplikationen auf, während in 36 Fällen (55,4%) ein komplikationsloser Verlauf beobachtet wurde. Die häufigsten Komplikationen umfassten Wundheilungsstörungen (13,8%) sowie ein Tod während des stationären Aufenthalts von ebenfalls 13,8%. Bis zum Follow-Up verstarben 32 von 65 Patienten, was einer Mortalitätsrate von 49,2% entspricht. Die verstorbenen Patienten waren im Durchschnitt 81,0±8,4 Jahre alt und damit signifikant älter als die Überlebenden (70,4±11,7 Jahre, p<0,001). Zudem war der Charlson-Komorbiditätsindex, der zur Beurteilung der Mortalität herangezogen wird, in der Gruppe der Verstorbenen signifikant höher (6,0±1,8 vs. 3,5±2,0 bei Überlebenden, p<0,001). Es konnte ein Zusammenhang zwischen der Grunderkrankung und der Mortalität nachgewiesen werden. Unter den verstorbenen Patienten litten 62,5% an DISH und 37,5% an Morbus Bechterew, während in der Gruppe der Überlebenden Morbus Bechterew häufiger vorkam als DISH (66,7% vs. 33,3%, p=0,035). Die Analyse der Komplikationen ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Frakturtyp, klassifiziert nach AO-Spine, und der Komplikationsrate (p=0,017). Bei Patienten mit Komplikationen traten häufiger Frakturen des Typs B3 (41,4%) und C (31,5%) auf. In der komplikationsfreien Gruppe waren hingegen Frakturen vom Typ B3 (55,6%) und B2 (36,1%) am häufigsten vertreten. Schlussfolgerungen Patienten mit ankylosierenden Wirbelsäulenerkrankungen haben ein hohes Risiko für postoperative Komplikationen sowie eine sehr hohe Mortalität. Da insbesondere das höhere Alter der Patienten mit DISH eine höhere Mortalität gegenüber den jüngeren Patienten mit Morbus Bechterew ergab, sollte eine interdisziplinäre Betreuung, insbesondere unter Einbeziehung eines geriatrischen Behandlungskonzepts, erfolgen.
- Freie Schlagwörter (DE)
- ankylosierende Wirbelsäulenerkrankung, Frakturen, Operation, DISH, Komplikationen, Mortalität
- Freie Schlagwörter (EN)
- Ankylosing Spondylitis, DISH, Complications, Mortality
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- YK 4704
- GutachterIn
- PD Dr. med. Stefan Zwingenberger
- Prof. Dr. med. Wolfgang Schneiders
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-989673
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 26.09.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-ND 4.0- Inhaltsverzeichnis
Inhalt 1 Einleitung 1 1.1 Morbus Bechterew 1 1.2 Diffuse Idiopathische Skelettale Hyperostose (DISH) 2 1.3 Problematik der Frakturen bei ankylosierenden Wirbelsäulenerkrankungen 3 2 Ziel dieser Arbeit 7 3 Patienten und Methoden 8 3.1 Methodik der Datenerhebung 8 3.2 Diagnostik 8 3.3 Klassifikation der Fraktur 9 3.4 Operationsparameter 11 3.5 Beurteilung des neurologischen Status 12 3.6 Beurteilung der Komorbiditäten 12 3.7 Datenauswertung und statistische Methoden 14 4 Ergebnisse 16 4.1 Patientenkollektiv 16 4.2 Diagnostik 16 4.3 Komorbiditäten 19 4.4 Frakturlokalisation 19 4.5 Operative Behandlung 21 4.5.1 OP-Verzögerung 21 4.5.2 OP-Verfahren 21 4.6 Beurteilung des neurologischen Status 23 4.7 Beurteilung der Reposition mittels bGDW 24 4.8 Beurteilung der Komplikationen 24 4.9 Beurteilung der Mortalität 26 4.10 Vergleich von verstorbenen und überlebenden Patienten 27 4.11 Der Einfluss einzelner Faktoren auf die Mortalität 30 4.12 Vergleich der Patientengruppen mit und ohne Komplikationen 32 4.13 Der Einfluss einzelner Faktoren auf das Komplikationsrisiko 35 5 Diskussion 38 5.1 Diskussion des Patientenkollektivs 38 5.2 Diskussion der Diagnostik 39 5.3 Diskussion der Komorbiditäten 40 5.4 Diskussion der Lokalisation und Dislokation 40 5.5 Diskussion der operativen Behandlung und OP-Parameter 41 5.6 Diskussion des neurologischen Status 43 5.7 Diskussion der Reposition 43 5.8 Diskussion der Komplikationen 44 5.9 Diskussion der Mortalität 45 5.10 Limitationen der eigenen Arbeit 46 6 Zusammenfassung 47 7 Summary 49 8 Literaturverzeichnis 51 9 Danksagung 60 10 Eidesstattliche Erklärung 61 10.1 Erklärungen zur Eröffnung des Promotionsverfahrens 61 10.2 Bestätigung über Einhaltung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben 63