- AutorIn
- Dr. med. Emilia Richter
- Titel
- Sexualität, Fertilität und die Nutzung von Kryokonservierung bei männlichen Keimzelltumorpatienten
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-987533
- Erstveröffentlichung
- 2025
- Datum der Einreichung
- 20.03.2025
- Datum der Verteidigung
- 19.08.2025
- Abstract (DE)
- Hintergrund: Der Hodentumor ist bei Männern unter 35 Jahren eine der häufigsten Tumorerkrankungen. In diesem Alter stehen die Familienplanung und Festigung von partnerschaftlichen Verhältnissen oftmals im Vordergrund. Die Therapie des Hodentumors besteht immer aus einer Ablatio testis und kann durch eine Chemotherapie oder RLA ergänzt werden. Dabei ist der Erhalt der Sexualfunktion und Fertilität von enormer Bedeutung. Fragestellung: In der vorliegenden Arbeit werden die Daten von 279 Männern nach der Therapie eines Keimzelltumors am Universitätsklinikum Dresden über den Zeitverlauf von 2011-2021 untersucht. Betrachtet wird dabei, inwieweit sich die Lebensqualität der Männer nach der Therapie verändert hat. Der Fokus liegt dabei auf der Sexualfunktion und dem Fertilitätserhalt im Rahmen einer Kryokonservierung von Spermien. 2021 wurde die Regulation der Finanzierung einer Kryokonservierung geändert. Die Studie untersucht, welche Patienten bis zu diesem Zeitpunkt das Angebot der Kryokonservierung angenommen haben. Material und Methoden: Die Arbeit untersucht retrospektiv die Daten von 279 Patienten, die im Zeitraum vom 1/2011-1/2021 wegen eines malignen Keimzelltumors mittels Ablatio testis und/ oder retroperitonealer Lymphadenektomie therapiert wurden. Den Patienten wurde postalisch ein Fragebogen zugestellt, um die Lebensqualität standardisiert nach den validierten Modulen EORTC QLQ-C30 und QLQ-TC26 zu erfassen. Mit der statistischen Analyse konnten dann Risikofaktoren für das Auftreten von sexuellen Problemen oder der Ablehnung einer Kryokonservierung bestimmt werden. Ergebnisse: Für den Bereich der Sexualität ließen sich verschiedene Faktoren als unabhängige Risikofaktoren für das Auftreten von sexuellen Problemen feststellen. Das sind ein Klinisches Stadium von II oder III (p=0,006; OR=4,9), ein Alter von über 43 Jahre zum Zeitpunkt der Nachsorge (p=0,005; OR=2,4) und ein monatliches Netto- Haushaltseinkommen unter 4000€ (p<0,001; OR=4,2). Hinsichtlich der Kryokonservierung ließ sich feststellen, dass insgesamt 32,6% eine Kryokonservierung durchführen ließen und nur 11% dieser Patienten diese für eine künstliche Befruchtung genutzt haben. Die Patienten, die sich für eine Kryokonservierung entschieden haben, hatten ein medianes Alter von 30. Unabhängige Risikofaktoren für die Ablehnung einer Kryokonservierung sind ein Alter über 37 Jahre (p<0,001; OR=13,1) und ein Schulabschluss der Real- oder Hauptschule (p=0,001; OR=3,3). Nur 1,6% der Patienten ohne Kryokonservierung gaben einen unerfüllten Kinderwunsch an. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass ein höheres klinisches Stadium, höheres Patientenalter und niedriges Einkommen einen negativen Einfluss auf das Sexualleben nach der Therapie eines Hoden haben und unabhängige Risikofaktoren sind, sexuelle Probleme zu erleiden. Dies liegt unter anderem an intensiveren Therapien, die zu Endothelschäden führen können, was das Risiko für eine erektile Dysfunktion erhöht. Weiterhin hat das Einkommen einen Einfluss auf den Lifestyle des Patienten und bietet die Möglichkeit gesünderer Lebensweisen und besserer psychischer Gesundheit. Ebenso sind es jüngere Patienten mit einem höheren Bildungsabschluss, die sich für eine Kryokonservierung ihrer Spermien zum Fertilitätserhalt entschieden haben. Für diese Patienten werden seit 2021 die Kosten für eine Kryokonservierung übernommen. Dabei konnte die Studie jedoch auch nachweisen, dass es keine relevante Versorgungslücke gibt und die Rate an ungewollter Kinderlosigkeit nicht erhöht ist im Vergleich zur gesunden Bevölkerung. Es benötigt weitere Studien, um zu untersuchen, inwieweit sich die neuen Regularien auf die Nutzung von fertilitätserhaltenden Maßnahmen auswirkt und ob es überhaupt gerechtfertigt ist, die Finanzierung pauschal für alle Patienten von den Krankenkassen zu übernehmen. Weiterhin müssen die Patienten umfassend über die Auswirkungen der Therapie auf ihre Fertilität aufgeklärt werden.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Hodenkrebs, Kryokonservierung, Sexuelle Lebensqualität
- Freie Schlagwörter (EN)
- Testicular cancer, Cryopreservation, Sexual quality of life
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- XH 8054
- GutachterIn
- PD Dr. med. Martin Baunacke
- PD Dr. med. Tim Nestler
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-987533
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 24.09.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
- Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I. Abbildungsverzeichnis IV II. Tabellenverzeichnis V III. Abkürzungsverzeichnis VI 1. Zielstellung 1 2. Einleitung 2 2.1. Epidemiologie 2 2.2. Risikofaktoren 3 2.2.1. Maldeszensus testis 3 2.2.2. Körpergröße 3 2.2.3. Familiäre Disposition 4 2.2.4. Kontralateraler Tumor 4 2.2.5. Infertilität 4 2.2.6. Einfluss endokrin-wirksamer Substanzen 4 2.3. Klassifikation der Histopathologie 5 2.4. Diagnostik 6 2.4.1. Körperliche Untersuchung 6 2.4.2. Serumtumormarker 7 2.4.3. Bildgebende Diagnostik 9 2.5. Stadieneinteilung 10 2.6. Therapie des Keimzelltumors 12 2.6.1. Ablatio testis 12 2.6.2. Postoperative Therapie des Seminoms 12 2.6.3. Postoperative Therapie des Nicht-Seminoms 14 2.7. Toxizität der Therapie 15 2.7.1. Allgemeine Nebenwirkungen 15 2.7.2. Sexualität und Fertilität 17 2.7.3. Kryokonservierung 18 2.8. Sexuelle Lebensqualität 19 3. Material und Methoden 20 3.1. Patientenkollektiv 20 3.2. Datenerhebung 20 3.3. Parameter 20 3.4. Charlson-Komorbiditäts-Index 22 3.5. Gruppeneinteilung 22 3.6. Statistische Analyse 22 3.7. Nutzung von Künstlicher Intelligenz 23 4. Ergebnisse 24 4.1. Patientenkollektiv 24 4.2. Charakterisierung des Patientenkollektivs 24 4.3. Sexualität 29 4.3.1. Univariate Analyse 29 4.3.2. Multivariate Analyse 33 4.4. Fertilität und Kryokonservierung 34 4.4.1. Univariate Analyse 34 4.4.2. Multivariate Analyse 39 5. Diskussion 40 5.1. Charakterisierung des Patientenkollektivs 40 5.2. Sexualität 43 5.3. Fertilität und Kryokonservierung 46 5.4. Diskussion im Kontext der Gesetzesänderung 49 5.5. Methodenkritik 50 5.6. Schlussfolgerung 52 6. Zusammenfassung 53 7. Summary 55 8. Literaturverzeichnis 57 9. Anhang 76 9.1. Tabellen 76 9.1.1. Gesamtkollektiv 76 9.1.2. Sexualität 78 9.1.3. Kryokonservierung 80 9.2. Fragebogen 83 9.3. Publikationen im Rahmen der Forschungsarbeit 90 9.4. Lebenslauf 91 9.5. Danksagung 92 9.6. Erklärung zur Eröffnung des Promotionsverfahrens 93 9.7. Bestätigung über Einhaltung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben 94