- AutorIn
- Dr. med. Berit Höfer SchmerzCentrum UKD
- Titel
- Einfluss eines Riechtrainings auf die Schmerzwahrnehmung bei Kindern und Jugendlichen mit primären Kopfschmerzen
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-975978
- Erstveröffentlichung
- 2025
- Datum der Einreichung
- 09.04.2024
- Datum der Verteidigung
- 03.06.2025
- Abstract (DE)
- Hintergrund: Kopfschmerzen sind bei Kindern und Jugendlichen das am häufigsten berichtete neurologische Symptom und können mit starken Einschränkungen im sozialen Leben und in den schulischen Leistungen einhergehen. Die Prävalenz steigt vom Kindes- bis Jugendalter auf 84%, für die Migräne bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich eine globale Prävalenz von 11%. Hypersensitivität gegenüber Geräuschen, Licht, Gerüchen und Schmerzreizen werden auch schon bei Kindern und Jugendlichen berichtet. Allgemein stellt die adäquate Verarbeitung von Reizen einen wichtigen Bestandteil des Alltags dar und trägt maßgeblich zur Lebensqualität bei. Nichtmedikamentöse Therapien für Kinder und Jugendliche mit Kopfschmerzen stehen im klinischen Alltag kaum und wenn häufig mit unzureichender Evidenz zur Verfügung. Ob ein strukturiertes Riechtraining bei Kindern und Jugendlichen mit wiederkehrenden Kopfschmerzen desensibilisierende Effekt hat, untersucht diese Placebo-Kontrollierte Studie. Methoden: Es erfolgte die Rekrutierung von Mai 2020 - Oktober 2021 aus dem Kinder-Kopfschmerz-Zentrum der Universitätsklinik Dresden. Insgesamt nahmen 103 Kinder und Jugendliche (K&J) mit primären Kopfschmerzen an der Studie teil und erhielten ein Placebo-kontrolliertes Riechtraining. In die statistische Analyse konnten schließlich 89 K&J, 65 Mädchen (73%) und 24 Jungen (27%) im Alter von 6-17Jahren (M 13,54 ±2,908) mit einer primären Kopfschmerzdiagnose eingeschlossen werden. Die Zuteilung in die Trainingsgruppe erfolgte randomisiert, die Riechtrainingsgruppe (RT) erhielt 4 Stifte mit angenehmen Düften befüllt, die Placebo-trainingsgruppe (PT) erhielt 4 Stifte ohne Duftstoff. Die K&J sollten über einen Zeitraum von drei Monaten jeweils morgens und abends für 10-20sec pro Stift an allen 4 Stiften riechen. Um den Effekt eines strukturierten Riechtrainings auf die Schmerzempfindung von K&J zu ermitteln wurden vor und nach dem Riechtraining die Schmerzwahrnehmung mit Hilfe der Quantitativen Schmerzschwelltestung [mechanische Schmerzschwelle (MPT), mechanische Schmerzsensitivität (MPS), Elektrischewahrnehmungsschwelle (EWS) und -schmerzschwelle (ESS)] und die Olfaktorische Wahrnehmung mit Hilfe des Sniffin Sticks Test [olfaktorische Wahrnehmungsschwelle (OS), olfaktorische Identifikation und trigeminale Wahrnehmungsschwelle (TW)] ermittelt. Es erfolgte die Testung der Schmerzwahrnehmung im Trigeminalen Areal und in der Peripherie am volaren Unterarm. Weiterhin wurde die Kopfschmerzfrequenz und -intesität über den Kopfschmerzkalender und den Pediatric Migraine Disability Assesment Score erhoben. Zusätzlich haben wir uns den Effekt auf die Schlafqualität (Pittsburgh Sleep Quality Index; PSQI), Depressivität (Depressionsinventarfragebogen für Kinder und Jugendliche, DIKJ) und Ängstlichkeit (State and Trait Angst Inventar Fragebogen für Kinder, STAIK) angeschaut. Ergebnisse: Es zeigt sich eine signifikante Erhöhung der MPT in der RT im Vergleich zur PT (M Differenz ± SD: RT 38,0867 ± 75,01042, Wilkoxon p<.001; PT 8,1490 ± 77,75802, Wilkoxon-Test p.74), einer signifikanten Erniedrigung in der MPS in der RT (M Differenz± SD: RT -0,0463 ± 0,07538 Wilkoxon p<.001; PT 0,0155 ± 0,04685 Wilkoxon p.149) und eine signifikanter Anstieg der EWS und ESS in der RT (M Differenz ± SD: EWS RT 0,5306 ± 1,04287, Wilkoxon -Test p.001; EWS PT 0,200 ± 1,43581, Wilkoxon-Test p.374; ESS RT 2,5510 ± 3,75866, Wilkoxon-Test p<.001; ESS PT -0,05 ± 4,26043, Wilkoxon-Test p.756). Es kommt zu einer Verbesserung der OS um 1,0102 3,86658 Punkte in der RT. Eine signifikante Verbesserung der Kopfschmerzfrequenz (KF), -intensität (KI) und des PedMIDAS erreichen sowohl die RT als auch die PT [KF(M Differenz ± SD: RT -2,4898 21,61898, Wilkoxon 0.18; PT -6,1375± 26,45484, Wilkoxon p.146); KI(M Differenz ± SD: RT -0,9735 2,46414, Wilkoxon p.009; PT -1,2750 2,44412, Wilkoxon p.001); PedMIDAS (M Differenz ± SD: RT -10,5 ± 36,59705, Wilkoxon p.001; PT -17,0125 ± 32,95422, Wilkoxon p.002)]. Die RT zeigt keine signifikante Änderung im DIKJ (M Differenz ± SD: RT-1,8519 ± 18,63296, Wilkoxon p.373), STAIK ((M Differenz SD: State:RT -0,6327 ± 4,11144, Wilkoxon-Test p.13; Trait : RT -0,1633 ± 4,43164, Wilkoxon-Test p.712) und PSQI (M Differenz ± SD: RT 0,2791 ± 3,62745, Wilkoxon-Test p.699). Zusammenfassung: Ein strukturiertes dreimonatiges Riechtraining mit angenehmen Düften erbringt Hinweise, dass bei Kindern und Jugendlichen mit primären Kopfschmerzen eine Desensibilisierung gegenüber Schmerzreizen in trigeminalen Testareal, aber auch extratrigeminal erreicht werden kann. Ein Effekt auf die Schlafqualität, Depressivität oder Ängstlichkeit konnten wir in unserer Studie nicht feststellen.
- Freie Schlagwörter (DE)
- primäre Kopfschmerzen bei Kindern, Riechtraining, Migräne, Schmerzschwelle
- Freie Schlagwörter (EN)
- primary headache in children, olfactory training, migraine, painthreshold
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- YQ 6504
- GutachterIn
- Prof. Dr. med. Gudrun Goßrau
- Prof. Dr. med. Antje Hähner
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Förder- / Projektangaben
- Kosing Stiftung Kosing Stipendium
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-975978
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 05.08.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY 4.0- Inhaltsverzeichnis
1 Abkürzungsverzeichnis 6 2 Einleitung 8 2.1 Arbeitshypothese 9 3 Theoretische Grundlagen 11 3.1 Kopfschmerzformen 11 3.1.1 Migräne 14 3.1.2 Kopfschmerz vom Spannungstyp (KST) 18 3.2 Anatomie und Physiologie des Riechens 20 3.3 Nozizeption 23 3.3.1 Anatomie und Physiologie der Nozizeption 23 3.3.2 Akute und chronische Schmerzen 25 3.3.3 Schmerzverarbeitung und Wahrnehmung 26 3.3.4 Nozizeption im Kopf- und Gesichtsbereich 27 3.3.5 Zentrale Verschaltung 28 3.3.6 Zusammenhang zwischen Schmerz und Riechen 31 4 Material und Methoden 33 4.1 Teilnehmende 33 4.1.1 Ein- und Ausschlusskriterien 34 4.1.2 Fallzahlplanung 35 4.1.3 Primäre und sekundäre Endpunkte 35 4.2 Studienablauf 35 4.3 Quantitative Sensorische Testung 37 4.3.1 Mechanische Detektionsschwelle (MDT) 38 4.3.2 Mechanische Schmerzschwelle (MPT) 38 4.3.3 Stimulus/Respons Funktionen (S/R Funktionen): 39 4.3.4 Elektrische Schmerzschwelltestung (ESS) 40 4.4 Riechtest SDI 40 4.4.1 Schwellentest: 41 4.4.2 Identifikationstest 42 4.4.3 Trigeminaler Test 42 4.4.4 Children’s Personal Significance of Olfaction (ChiPSO) -Fragebogen 43 4.5 Allgemeine Fragebögen 44 4.5.1 Anamnese 44 4.5.2 Pediadric Migraine Disability Assesment Score (PedMIDAS) 44 4.5.3 Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) 45 4.6 Psychische Symptome 45 4.6.1 Depression Inventar Fragebogen für Kinder und Jugendliche (DIKJ) 45 4.6.2 State und Trait Angstinventarfragebogen für Kinder (STAIK S/T) 46 4.7 Kognitive-Testungen 46 4.7.1 Kurzzeitgedächtnis 46 4.7.2 Regensburger Wortflüssigkeitstest (RWT) 47 4.8 Numerale Rating Skala (NRS) 47 4.9 Auswertung und Statistik 48 5 Ergebnisse Riechtrainings – Studie 49 5.1 Deskriptiv 49 5.2 Statistik 63 5.2.1 Primärer Endpunkt: Mechanische Schmerzschwelle (MPT) 63 5.2.2 Sekundäre Endpunkte 65 5.3 Einflussfaktoren 93 5.3.1 Alter 93 5.3.2 Geschlecht 93 5.3.3 Kopfschmerzdiagnose 93 5.3.4 Dauer der Kopfschmerzdiagnose 93 5.3.5 DIKJ-Ausgangsscore 94 6 Diskussion 96 6.1 Wahl der Methodik 96 6.1.1 Quantitativ Sensorische Testung (QST) 96 6.1.2 Numerische Rating Skala 97 6.1.3 Sniffin Sticks 97 6.1.4 Kurzzeitgedächtnis 98 6.1.5 Regensburger Wortflüssigkeits-Test 98 6.1.6 Depression Inventarfragebogen für Kinder und Jugendliche 98 6.1.7 State und Trait Angstinventar Fragebogen für Kinder 99 6.1.8 Pittsburgh Sleep Quality Index 99 6.1.9 Pediatric Migraine Disability Assessment Score 100 6.2 Interpretation der Ergebnisse 100 6.2.1 Subjektive Bewertung 100 6.2.2 Primärer Endpunkt mechanische Schmerzschwelle (MPT) 101 6.2.3 Sekundäre Studienendpunkte 102 6.3 Fehlermöglichkeiten 110 6.4 Schlussfolgerungen 110 6.5 Ausblick 110 7 Zusammenfassung / Summary 111 8 Tabellenverzeichnis 115 9 Abbildungsverzeichnis 115 10 Literaturverzeichnis 118 11 Danksagung 142 12 Anlagen 143 12.1 Anlage 1 143 12.2 Anlage 2 146 12.3 Anlage 3 148 12.4 Anlage 4 149 12.5 Anlage 5 151 12.6 Anlage 6 152 12.7 Anlage 7 159 12.8 Anlage 8 160 12.9 Anlage 9 164