- AutorIn
- Christian Trothe Institut für Wildbiologie Göttingen, Dresden e.V.
- Marcus MeißnerInstitut für Wildbiologie Göttingen, Dresden e.V.
- Prof. Dr. Dr. Sven HerzogTechnische Universität Dresden
- Titel
- Wildunfälle verhindern – was hilft wirklich?
- Untertitel
- Präventionsmaßnahmen auf dem Prüfstand
- Abschlussbericht
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-974057
- Erstveröffentlichung
- 2016
- DOI
- https://doi.org/10.25368/2025.096
- Abstract (DE)
- Über einen Zeitraum von vier Jagdjahren wurden in Schleswig-Holstein an 28 ausgewählten Streckenabschnitten zwei technische Maßnahmen zur Vermeidung von Wildunfällen auf ihre Wirksamkeit untersucht. Zum Einsatz kamen der blaue „Halbkreisreflektor“ sowie der „Duftzaun“. Ergänzend zu dem Vorher-Nachher-Vergleich der Wildunfallzahlen wurde das Wildunfallgeschehen an sich analysiert, um mögliche Einflussfaktoren identifizieren zu können. Die Auswahl der Teststrecken erfolgte nach Wildunfallzahl, Wildarten, Landschaftsstruktur und Straßenklasse. Gerade im Hinblick auf Landschaftsstruktur, Verkehrsaufkommen und vorkommende Schalenwildarten deckte sie damit die vermutlich wichtigsten Rahmenbedingungen im Land ab. Während des Untersuchungszeitraumes gingen die Wildunfallzahlen auf den mit Duftzaun ausgestatteten Strecken im Mittel um rund 56 % gegenüber den Vorjahren zurück. Auf den Teststrecken mit blauen Halbkreisreflektoren reduzierte sich die Zahl der Wildunfälle im Mittel um 63 %. Es gab weder Hinweise auf eine Gewöhnung des Wildes an die Reflektoren oder den Duftzaun, noch auf eine Verlagerung der Wildunfallereignisse aus den mit Präventionsmaßnahmen ausgestatteten Abschnitten heraus. Unterschiede in der Wirksamkeit beider Maßnahmen zeigten sich beim Damhirsch, hier wirkt der Duftzaun offenbar besser als der blaue Halbkreisreflektor. Beim Reh waren keine Unterschiede zu beobachten. Die Ergebnisse beziehen sich konkret auf die beiden getesteten Maßnahmen unter den jeweiligen Rahmenbedingungen. Sie können daher gerade vor dem Hintergrund der Vielzahl am Markt befindlicher Präventionsmaßnahmen und deren technischer Unterschiede nicht verallgemeinert werden. Die meisten Wildunfälle mit Rehen ereigneten sich in den Monaten April und Mai. Ein zweiter Höhepunkt zur Paarungszeit im Juli und August konnte – entgegen der Erwartung – nicht bestätigt werden. Wildunfälle mit Damhirschen blieben fast ganzjährig auf ähnlichem Niveau, mit einem deutlichen Höhepunkt während der Paarungszeit in den Monaten Oktober und November. Im Tagesverlauf treten der frühe Morgen sowie der späte Nachmittag bis in die frühen Abendstunden mit einer Häufung der Wildunfälle deutlich hervor. In den kurzen Dämmerungszeiten kommt es relativ zu mehr Wildunfällen als in den längeren Tages- und Nachtphasen. Als weitere Einflussfaktoren auf das Wildunfallgeschehen konnten die Landschaftsstruktur, Wilddichte, Verkehrsaufkommen, Fahrgeschwindigkeiten und auch die Helligkeit bei Nacht identifiziert werden. Beim Verkehr zeigte sich ein größerer Einfluss auf die Wildunfallhäufigkeit durch zunehmende Geschwindigkeit als durch höheres Verkehrsaufkommen. Darüber hinaus wirkt sich ein zunehmendes Verkehrsaufkommen negativ auf die Wirkung der Vermeidungsmaßnahmen aus. Deutlich wurde, dass das Wildunfallgeschehen von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, die für sich das Wildunfallrisiko beeinflussen. Eindeutige Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren konnten nur in Einzelfällen festgestellt werden.Trotz deutlicher Unterschiede auf den Versuchsstrecken konnte insgesamt eine durchweg positive Wirkung des Duftzauns und des blauen Halbkreisreflektors auf das Wildunfallgeschehen festgestellt werden. Beide Maßnahmen können somit wichtige Bausteine in der Wildunfallvermeidung sein.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Wildunfall, Wildtiere, Duftzaun, Wildökologie, Verkehrsunfall
- Freie Schlagwörter (EN)
- wildlife collisions, wildlife, scent fence, wildlife ecology, traffic accident
- Klassifikation (DDC)
- 634
- Klassifikation (RVK)
- WP 1080
- Herausgeber (Institution)
- Institut für Wildbiologie Göttingen, Dresden e.V., Dresden
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-974057
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 05.06.2025
- Dokumenttyp
- Forschungsbericht
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC-ND 4.0- Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS VI TABELLENVERZEICHNIS IX ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS X GLOSSAR XI 1. ZUSAMMENFASSUNG 1 2. EINFÜHRUNG 2 3. METHODEN 4 3.1. Fragestellung und Untersuchungsansatz 4 3.2. Vermeidungsmaßnahmen 6 3.2.1. Duftzaun 7 Exkurs Sehvermögen von Schalenwild und Mensch 9 3.2.2. Halbkreisreflektor 10 3.3. Teststrecken 12 3.4. Aufnahme der Wildunfälle 13 3.5. Verkehrsmessungen 13 4. ERGEBNISSE 14 4.1. Entwicklung auf den Teststrecken 15 4.1.1. Teststrecken mit Duftzaun 16 4.1.2. Teststrecken mit blauem Halbkreisreflektor 17 4.2. Reaktion auf Vermeidungsmaßnahmen 18 4.3. Jahresverlauf 20 4.3.1. Meteorologische Jahreszeiten 22 4.3.2. Zeitumstellung 23 4.4. Tagesverlauf 24 4.4.1. Allgemeiner Tagesverlauf 24 4.4.2. Dämmerung, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang 25 Exkurs Dämmerung 25 4.5. Wochenverlauf 30 4.6. Mond 31 4.7. Landschaftsstrukturen 32 4.8. Wilddichte 34 4.9. Verkehr 35 4.9.1. Verkehrsaufkommen und Geschwindigkeit 35 4.9.2. Einfluss des Verkehrs auf Wildunfallgeschehen und Präventionsmaßnahmen 38 4.10. Multiple Korrespondenzanalyse (MCA) 41 4.11. Fahrerwahrnehmung 43 5. STAND DER FORSCHUNG 46 5.1. Wirksamkeit von Vermeidungsmaßnahmen 46 5.1.1. Duftstoffe 47 5.1.2. Wildwarnreflektoren 50 5.1.3. Andere Maßnahmen als Duftzaun und Reflektor 54 5.2. Beeinflussende Faktoren 58 5.2.1. Zeitliche Aspekte 59 5.2.2. Verkehr 62 5.2.3. Bestandsgröße 64 5.2.4. Jagd 65 5.2.5. Landschaft 65 5.2.6. Andere 66 6. ANHANG 67 Teil A: Abbildungen 68 Teil B: Tabellen 88 Teil C: Beschreibung der Teststrecken 95 LITERATURVERZEICHNIS 123