- AutorIn
- Dr. med. Belinda Weser
- Titel
- Langzeitergebnisse von Femurschaftfrakturen nach der Behandlung mittels elastisch-stabiler intramedullärer Nagelung (ESIN) im Kleinkindalter
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-960417
- Übersetzter Titel (EN)
- Long-term results of femoral shaft fractures after treatment with elastic-stable intramedullary nailing (ESIN) in infancy
- Erstveröffentlichung
- 2025
- Datum der Einreichung
- 07.06.2024
- Datum der Verteidigung
- 25.02.2025
- Abstract (DE)
- Die Wahl des richtigen Therapieverfahrens bei Femurschaftfrakturen im Kleinkindalter sorgt in Fachkreisen immer wieder für Diskussionen. Entsprechend der deutschen Leitlinie von 2023 werden operative Therapien, wie die elastisch-stabile Intramedullärnagelung erst ab einem Alter von drei Jahren oder einem Mindestgewicht von 10-15 kg empfohlen. Darunter sind konservative Therapien zu bevorzugen. (Dietzel, 2023) Dennoch hat die Zahl der operativ versorgten Femurschaftfrakturen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und wird auch bei den Kindern unter drei Jahren mit bis zu 50 % angegeben. (Strohm & Schmittenbecher, 2014) Ziel dieser Studie war es, die funktionellen und klinischen Langzeitergebnisse von Femurschaftfrakturen im Kleinkindalter, nach der Therapie mit ESIN, darzustellen. Die Ergebnisse sollten anschließend mit den Daten konservativer und operativer Therapien aus der Literatur verglichen und in Kontext gesetzt werden. Damit sollten künftige Therapieentscheidungen vereinfacht werden. Die Studie bestand aus einem retrospektiven Abschnitt, der die Daten von sechzig Kindern zwischen null und fünf Jahren erfasste. Alle Kinder erhielten aufgrund einer Femurschaftfraktur eine operative Therapie mit der ESIN. Retrospektiv wurden allgemeine demografische Daten und operationsbezogene Daten erfasst und ausgewertet. Im prospektiven Studienteil wurden diese Kinder zu einer weiteren klinischen Nachuntersuchung eingeladen. Vierundvierzig Kinder konnten so durchschnittlich 5,1 Jahre nach der Operation erneut untersucht werden. Dabei wurden die funktionellen Ergebnisse erfasst und Bewegungseinschränkungen im Alltag eruiert. Die retrospektive Datenauswertung ergab in 10,0 % (n = 6) der Fälle Minor-Komplikationen und in 3,3 % der Fälle (n = 2) Major-Komplikationen. Verglichen mit der Literatur sind die Gesamtkomplikationsraten von ESIN und einer Gips-Therapie annähernd gleich und deutlich geringer als bei einer Pflasterextension. Bei den Major-Komplikationen scheint die ESIN- Therapie einer Gips-Behandlung leicht überlegen zu sein. (siehe Tabelle 7) Der durchschnittliche stationäre Aufenthalt unserer Patienten lag bei 7,4 ± 1,4 Tagen. Eine schmerzadaptierte Gewichtsbelastung war ab dem ersten postoperativen Tag erlaubt. Im Vergleich mit der Literatur zeigten sich für die ESIN deutlich kürzere Zeiten bis zur vollen Gewichtsbelastung gegenüber den konservativen Therapien. (siehe Tabelle 9) Eine interessante Nebenentdeckung war die hohe Frühgeburtenrate unserer Studie mit 14,3 % (n= 8). Diese ist verglichen mit der allgemeinen Frühgeburtenrate in Deutschland mehr als doppelt so hoch. Die prospektive Datenauswertung ergab eine durchschnittliche Beinlängendifferenz unserer Patienten von 2,8 ± 5,1 mm. Nur ein Kind zeigte eine Beinlängendifferenz von mehr als 2 cm. Auch hierbei erzielte die ESIN verglichen mit einer Gips- und Pflasterextensionsbehandlung die besten Ergebnisse. (siehe Tabelle 10) Bei der Nachuntersuchung zeigte sich eine Differenz von 2,1° im durchschnittlichen Gesamtbewegungsumfang beider Hüftgelenke zugunsten der gesunden Seite. Es konnte eine signifikante positive Korrelation (r = 0,348) zwischen der Länge des stationären Aufenthaltes und dem Flynn Outcome Score nachgewiesen werden. Nicht signifikante, positive Korrelationen bestanden zwischen der Gewichtsperzentile zum Zeitpunkt der ESIN-Implantation und dem Flynn Outcome Score (r = 0,268), sowie zwischen der Schnitt-Naht-Zeit und der Länge des stationären Aufenthaltes. Die elastisch-stabile intramedulläre Nagelung zeigte sich im Rahmen unserer Studie als sichere und komplikationsarme Therapiemöglichkeit im Kleinkindalter. Hinsichtlich des Auftretens von Major-Komplikationen, Beinlängendifferenzen und der Zeit bis zur Mobilisierung war sie konservativen Therapiemethoden überlegen.
- Abstract (EN)
- The choice of the right treatment procedure for femoral shaft fractures in young children is a constant source of debate among experts. According to the German guideline of 2023, surgical therapies such as elastic stable intramedullary nailing are only recommended from the age of three years or a minimum weight of 10-15 kg. Below this age, conservative therapies are preferable. (Dietzel, 2023) Nevertheless, the number of surgically treated femoral shaft fractures has increased steadily in recent years and is also reported to be up to 50 % in children under the age of three. (Strohm & Schmittenbecher, 2014) The aim of this study was to present the functional and clinical long-term results of femoral shaft fractures in infants after treatment with ESIN. The results were then to be compared with the data of conservative and surgical therapies from the literature and placed in context. This should simplify future treatment decisions. The study consisted of a retrospective section that collected data from sixty children between the ages of zero and five. All children underwent surgical treatment with ESIN for a femoral shaft fracture. General demographic data and operation-related data were collected and analyzed retrospectively. In the prospective part of the study, these children were invited to a further clinical follow-up examination. Forty-four children were re-examined on average 5.1 years after the operation. The functional results were recorded and movement restrictions in everyday life were determined. The retrospective data analysis revealed minor complications in 10.0 % (n = 6) of cases and major complications in 3.3 % of cases (n = 2). Compared to the literature, the overall complication rates of ESIN and cast therapy are almost the same and significantly lower than with plaster extension. For major complications, ESIN therapy appears to be slightly superior to cast treatment. (see Table 7) The average inpatient stay of our patients was 7.4 ± 1.4 days. Pain-adapted weight bearing was permitted from the first postoperative day. In comparison with the literature, ESIN showed significantly shorter times to full weight bearing compared to conservative therapies. (see Table 9) An interesting side discovery was the high preterm birth rate of 14.3% (n = 8) in our study. This is more than twice as high as the general preterm birth rate in Germany. The prospective data analysis revealed an average leg length difference in our patients of 2.8 ± 5.1 mm. Only one child showed a leg length difference of more than 2 cm. Here too, ESIN achieved the best results compared to cast and plaster extension treatment. (see Table 10) The follow-up examination showed a difference of 2.1° in the average total range of motion of both hip joints in favor of the healthy side. A significant positive correlation (r = 0.348) was found between the length of hospitalization and the Flynn Outcome Score. There were non- significant, positive correlations between the weight percentile at the time of ESIN implantation and the Flynn Outcome Score (r = 0.268), as well as between the incision-suture time and the length of the inpatient stay. Elastic stable intramedullary nailing was shown in our study to be a safe and low-complication treatment option in infants. With regard to the occurrence of major complications, leg length discrepancies and time to mobilization, it was superior to conservative treatment methods.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Elasitsch stabile intramelülläre Nagelung, ESIN, Femurschaftfraktur, Kleinkindalter, postoperatives Outcome
- Freie Schlagwörter (EN)
- Elastic stabile intramedullary nailing, ESIN, intramedullary nailing, femur fracture, early childhood, outcome
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- YK 5424
- GutachterIn
- PD Dr. Ralf Kraus
- Prof. Dr. Guido Fitze
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-960417
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 28.05.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY 4.0- Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1.1 Inzidenz und Ätiologie 1.2 Knochenaufbau 1.3 Knochenentwicklung 1.4 Frakturheilung im Wachstumsalter 1.5 Spontankorrekturen und Wachstumsstörungen am Femur 1.6 Therapiemöglichkeiten 1.7 Elastisch stabile intramedulläre Nagelung (ESIN) 2 Zielsetzung 3 Material und Methoden 3.1 Patientenkollektiv 3.2 Datenerhebung und klinische Untersuchung 3.3 Statistische Auswertung 4 Ergebnisse 4.1 Retrospektive Datenauswertung 4.2 Prospektive Datenauswertung 5 Diskussion 5.1 Diskussion der Methoden 5.2 Diskussion der Ergebnisse 5.2.1 Retrospektiv 5.2.2 Prospektiv 6 Zusammenfassungen (deutsch / englisch) 6.1 Zusammenfassung 6.2 Summary 7 Literaturverzeichnis 8 Anhang 8.1 Anschreiben 8.2 Untersuchungsbogen 8.3 Einverständniserklärung zur Fotodokumentation 9 Danksagung 10 Anlagen