- AutorIn
- Dr. rer. medic. Katharina Jasmin Wolf
- Titel
- Differentielle Betrachtungen der Borderline Persönlichkeitsstörung Subtypen und Therapieevaluation
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-956660
- Erstveröffentlichung
- 2024
- Datum der Einreichung
- 29.04.2024
- Datum der Verteidigung
- 30.10.2024
- Abstract (DE)
- Die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetyp (BPS) gilt als schwere chronische mentale Störung, welche mit hohen individuellen und gesellschaftlichen Kosten einhergeht und mit Prävalenzraten zwischen 15 und 30 % im medizinischen Versorgungssystem hohe Anforderungen an das Gesundheitssystem stellt. Für Behandlerinnen stellt sie aufgrund mehrerer Aspekte wie Chronizität, Komorbiditäten und einer vergleichsweise hohen Suizidrate eine große Herausforderung dar. Die S3-Leitlinien, die American Psychiatric Association und die NICE-Richtlinien (National Institute for Health and Care Excellence) empfehlen zur spezifischen Behandlung für Patientinnen mit BPS die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT). Allerdings scheinen nicht alle Patientinnen in gleicher Weise von dieser Behandlung zu profitieren. Ein Grund hierfür könnte unter anderem die Heterogenität der BPS sein: Im DSM-5 gibt es 256 verschiedene Symptomkonstellationen. Deshalb könnte die Identifikation von Subtypen der BPS bei der Behandlungsplanung bedeutsam sein um eine möglichst individualisierte, spezifische Behandlung zu gewährleisten. Mit der Einführung der ICD-11 hat sich der Klassifikationsansatz von Persönlichkeitsstörungen von einem kategorialen zu einem dimensionalen Ansatz gewandelt. Neben vielen Vorteilen, ergeben sich damit auch neue Herausforderungen bei der adäquaten Beschreibung von Persönlichkeitsstörungen und der entsprechender Therapiezuweisung. Vor diesem Hintergrund erfolgte in dieser Arbeit erstens die Untersuchung von kurz- und langfristigen Therapieeffekten einer DBT-basierten tagesklinischen Behandlung von Patientinnen mit BPS. Zweitens sollten Subtypen von BPS identifiziert und auf klinische und therapeutische Unterschiede überprüft werden. Drittens erfolgte die Anwendung und der Vergleich der ICD-11-Klassifikation mit den Merkmalen der zuvor identifizierten Subtypen sowie die Überprüfung ob sich daraus eine Zuordnung zu den DBT-Modulen ergibt. Im ersten Teil der Studie wurden N= 178 Patientinnen mit BPS untersucht, die in einer durchschnittlich 11-wöchigen DBT-basierten tagesklinischen Behandlung in der Allgemeinen Tagesklinik der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden waren. Alle Patientinnen wurden bei der Aufnahme einem ausführlichen Screening unterzogen, einschließlich halbstrukturierter Interviews zur Beurteilung von mentalen Störungen (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-4) und BPS-Diagnose (International Personality Disorder Examination). Standardisierte Fragebögen zur Beurteilung der borderline-spezifischen (Borderline Symptom List) und -unspezifischen Symptombelastung (Brief Symptom Inventory; Becks Depressions Inventar) wurden bei Aufnahme, Entlassung und zur Nachuntersuchung drei Monate nach der Entlassung ausgefüllt. Zur Therapieevaluation des ersten Teils kamen in der statistischen Analyse vor allem lineare 2-Ebenen-Modelle (mixed model), Effektstärkenanalyse und Analyse zur klinischen Response zur Anwendung. Im zweiten Teil wurde zur Identifizierung von Subtypen der BPS, eine Substichprobe von N= 109 Patienten einer Clusteranalyse unterzogen und mittels Varianzanalysen auf Unterschiede in klinischen und therapeutischen Variablen untersucht. 80 % der Patientinnen schlossen die Behandlung regulär ab. Bei den borderline-spezifischen Beeinträchtigungen zeigten sich moderate und hochsignifikante Therapieeffekte mit einer Responserate von 48 %. Die größten Effektstärken von etwa .8 wurden für die allgemeine psychische Belastung erzielt mit einer Responserate von 66 %. In der Nachuntersuchung blieben diese Ergebnisse stabil. Die Clusterbildung ergab eine Drei-Cluster-Lösung mit internalisierenden (n= 35), externalisierenden (n= 28) und gemischten Subtypen (n= 46). Die Subtypen unterschieden sich in den klinischen Variablen (z.B. Vorbehandlung, Komorbiditäten) und den therapeutischen Effekten (z.B. Therapieabbruchrate, Response), wobei der internalisierende Subtyp mehr affektive Störungen aufwies und der gemischte Subtyp die geringste therapeutische Veränderung in den borderline-spezifischen Symptomen zeigte. Subtypen zeigten nach ICD-11 Klassifikation außerdem unterschiedlich starke Ausprägungen im Schweregrad der Funktionsbeeinträchtigung und den Traits. Die Ergebnisse stützen zunächst bisherige Forschungsbefunde bezüglich der Effektivität einer DBT-basierten Behandlung in einem naturalistischen tagesklinischen Setting. Es konnten ähnliche Effekte wie bei einer stationären Behandlung erzielt werden. Die Effektstärken unterschieden sich für borderline-spezifische und -unspezifische Symptome, was darauf hindeutet, dass DBT sich auf verschiedene Symptombereiche unterschiedlich effektiv auswirkt. Beim Vergleich von Respondern und Non-Respondern schien sich eine vorangegangene ambulante Psychotherapie positiv auf den Therapieeffekt auszuwirken. Insgesamt entsprechen die vorliegenden Ergebnisse der Clusteranalyse zu den Subtypen dem dimensionalen ICD-11 Modell. Die Subtypen unterschieden sich in Therapieresponse, weshalb es sinnvoll sein könnte einzelne DBT Module den Subtypen gezielt nach Merkmalen zuzuordnen. Es wurde deutlich, dass die ICD-11 Klassifikation einige Einschränkungen hinsichtlich der Differenzierung der Subtypen und damit der Zuordnung geeigneter Behandlungsmodule aufweist, was für eine weitere Differenzierung der Dimensionen in zukünftigen Entwicklungen der ICD-11 spricht. Angesichts der neuen Version der ICD besteht außerdem Bedarf an einem standardisierten, validierten Verfahren zur Zuweisung von Patientinnen zu verschiedenen Behandlungsprogrammen.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Borderline Persönlichkeitsstörung, Psychotherapie, Evaluation, Subtypen
- Freie Schlagwörter (EN)
- borderline personality disorder, psychotherapy, subtypes
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- YH 6104
- GutachterIn
- Prof. Dr. med. habil. Kerstin Weidner
- Dr. rer. medic. habil. Hendrik Berth
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-956660
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 20.03.2025
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-ND 4.0