- AutorIn
- Dr. med. Anne Kempe
- Titel
- Olfaktorische Stimulation zur Förderung der Ernährung von Frühgeborenen der 25. bis 30. Schwangerschaftswoche
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1059550
- Erstveröffentlichung
- 2026
- Datum der Einreichung
- 19.02.2026
- Datum der Verteidigung
- 30.06.2026
- Abstract (DE)
- Hintergrund: Die orale Ernährung ist eine der größten Herausforderungen, welcher sich die extrem und sehr unreifen Frühgeborenen aufgrund ihrer neurologischen Unreife stellen müssen. In vorherigen Studien hat sich die olfaktorische Stimulation als vielversprechender Ansatz erwiesen, um das Erlernen des eigenständigen Trinkens zu unterstützen. Einige Studien konnten einen Effekt der olfaktorischen Stimulation nachweisen, wohingegen andere Studien dieses Ziel verfehlten. Die Datenlage ist insgesamt limitiert und inkonsistent, vor allem bei der Betrachtung der extrem und sehr unreifen Frühgeborenen. Diese Studie widmete sich daher dem Effekt der frühzeitigen olfaktorischen Stimulation mit Muttermilch auf die Dauer bis zur Entwöhnung von der Magensonde bei extrem und sehr unreifen Frühgeborenen. Deren neurologische Unreife in Bezug auf die Geruchsverarbeitung erscheint dabei als der entscheidende und limitierende Faktor. Material und Methoden: Bei der Studie handelte es sich um eine prospektive, randomisierte kontrollierte klinische Studie, welche auf einer neonatologischen Intensivstation und anschließend nach Verlegung auf einer neonatologischen Normalstation durchgeführt wurde. Eine Gesamtheit von 80 Frühgeborenen mit einem Gestationsalter zwischen 25+0 und 30+0 SSW wurde in die Studie eingeschlossen und folgend in eine Interventions- oder Kontrollgruppe randomisiert. Die Interventionsgruppe erhielt eine Präsentation von Muttermilchgeruch vor jeder Fütterung, der Kontrollgruppe wurde kein Geruch (Placebo) präsentiert. Das primäre Ziel der Studie betrachtete die Dauer bis zur vollständig oralen Nahrungsaufnahme, definiert als eigenständiges Trinken aller Mahlzeiten in einem Zeitraum von 24 Stunden, ohne Nutzung der Magensonde. Sekundäre Ziele umfassten die Dauer bis zur vollständig enteralen Ernährung, die Dauer des Krankenhausaufenthalts und das Gewicht zur Entlassung. Ergebnisse: Nach Anwendung der Dropout-Kriterien verblieben 51 Probanden in der Studie, welche anschließend analysiert wurden. In Bezug auf ihre Grundeigenschaften unterschieden sich die Studiengruppen nicht, sodass ein vergleichbares Probandenkollektiv in Interventions- und Kontrollgruppe vorlag. Es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied (p=0,765) bezüglich der Entwöhnung von der Magensonde zwischen Interventionsgruppe (60,8 ± 17,5 Tage) und Kontrollgruppe (59,2 ± 18,4 Tage) gefunden werden. Dies konnte mit Hilfe von Kaplan-Meier-Kurven und einem zusätzlichen Log-Rank-Test (p=0,83) bestätigt werden. Bei der Betrachtung der sekundären Studienziele ergab sich ebenfalls kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studiengruppen, dies gilt auch für die Gewichtsentwicklung und die Länge des Krankenhausaufenthalts. Schlussfolgerung: Die hier durchgeführte Studie untersuchte die Hypothese, ob durch olfaktorische Stimulation die Zeit bis zur Entwöhnung von der Magensonde bei extrem und sehr unreifen Frühgeborenen beschleunigt werden kann. Dies konnte anhand der erhobenen Daten nicht nachgewiesen werden und deckt sich mit den Ergebnissen vorheriger Studien und Reviews, welche eine fortgeschrittenere neurologische Reife als Voraussetzung für den positiven Effekt der olfaktorischen Stimulation vermuten. Bei der Geruchsstimulation von Frühgeborenen handelt es sich um eine sichere Intervention ohne negative Auswirkungen, der Effekt der Maßnahme ist bei einem Patientenkollektiv jünger als 28 SSW jedoch nicht sicher nachweisbar. Mit den Ergebnissen dieser Studie konnte ein wichtiger Beitrag in der Versorgung extrem und sehr unreifer Frühgeborener geleistet sowie die Notwendigkeit der Auswahl eines passenden Patientenkollektivs mit entsprechender neurologischer Reife hervorgehoben werden.
- Abstract (EN)
- Background: Oral feeding is a major challenge for extremely and very preterm infants due to their neurological immaturity. Olfactory stimulation has been investigated as a promising intervention to support the transition to oral feeding. While some studies have shown positive effects, the evidence is limited and inconsistent, especially in the most immature cohorts. This study aimed to investigate the effects of very early olfactory stimulation with breast milk on gastric tube weaning in extremely and very immature preterm infants, as the neurological maturity of the olfactory system may be a crucial factor. Methods: This was a prospective, randomized controlled clinical study conducted in a neonatal intensive care unit. A total of 80 infants born between 25+0 and 30+0 weeks of gestation were initially enrolled and randomized into an odor (milk) group or a control group, receiving either milk odor or no odor (placebo) before feeding. The primary outcome was the duration until complete independent oral feeding, defined as gastric tube removal for more than 24 hours. Secondary outcomes included duration until complete enteral feeding, length of hospital stay and weight at discharge. Results: After exclusions, a final cohort of 51 infants was analyzed. The two groups were comparable at baseline. No significant difference was found in the duration to gastric tube weaning between the milk group (60.8 ± 17,5 days of life) and the control group (59.2 ± 18,4 days of life; p=0.765). The Kaplan-Meier curves and Log-Rank test (p=0.83) further confirmed no statistically significant difference in the time to tube weaning. There were also no significant differences in secondary outcomes, including weight development and length of hospital stay. Conclusion: The present study examined the hypothesis that olfactory stimulation with breast milk would accelerate the transition to oral feeding in a cohort of extremely and very immature preterm infants. However, the results of the study failed to support this hypothesis. The findings of this study are consistent with those of recent comprehensive reviews, which suggest that the efficacy of this intervention may be dependent on a more advanced state of neurological maturity. While the intervention is safe, there is a possibility that it may not be effective in infants younger than 28 weeks of gestation. The findings of this study offer significant insights for clinical practice and underscore the importance of customizing interventions according to the precise developmental stage of preterm infants.
- Freie Schlagwörter (DE)
- olfaktorische Stimulation, Frühgeborene, Magensondenentwöhnung
- Freie Schlagwörter (EN)
- preterm infants, olfactory stimulation, gastric tube weaning
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- YQ 2404
- GutachterIn
- PD Dr. med. Janine Gellrich
- Prof. Dr. med. Thomas Hummel
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1059550
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 31.08.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY 4.0- Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 1 1.1 Einordnung in den aktuellen Forschungsstand 1 1.2 Fragestellung der Arbeit 2 2 Theoretische Grundlagen 4 2.1 Das Frühgeborene 4 2.1.1 Prävalenz und sozioökonomische Bedeutung 4 2.1.2 Herausforderungen und Schwierigkeiten der Frühgeburtlichkeit 7 2.2 Besonderheiten der Ernährung Frühgeborener 9 2.3 Riechvermögen und dessen Bedeutung für Frühgeborene 13 3 Material und Methoden 17 3.1 Ziele der Studie 17 3.2 Auswahlkriterien der Studienteilnehmer 17 3.3 Studiendesgin 18 3.4 Durchführung der Studie 20 3.5 Übersicht erfasster Datenkategorien 21 3.5.1 Datenerhebung bei Studieneinschluss 21 3.5.2 Datenerhebung im Studienverlauf 21 3.5.3 Datenerhebung bei Studienende 22 3.6 Statistische Auswertung 23 4 Ergebnisse 25 4.1 Charakteristika der Studienteilnehmer 25 4.2 Einfluss auf primäres Studienziel 30 4.3 Einflüsse auf sekundäre Studienziele 36 4.3.1 Einfluss auf die Gewichtsentwicklung (Längsschnittanalyse) 36 4.3.2 Einfluss auf Time-to-Event und weitere sekundäre Studienziele 37 4.4 Weitere Effekte der olfaktorischen Stimulation 38 5 Diskussion 42 5.1 Erkenntnisse und Schlussfolgerungen 42 5.2 Stärken und Limitationen der Studie 55 5.3 Zusammenfassung und Ausblick 56 6 Zusammenfassung in deutscher und englischer Sprache 61 7 Anhang 64 7.1 Tabellenverzeichnis 64 7.2 Abbildungsverzeichnis 65 7.3 Abkürzungsverzeichnis 66 7.4 Literaturverzeichnis 67 7.5 Erklärungen zur Eröffnung des Promotionsverfahrens 84 7.6 Bestätigung über Einhaltung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben 86 7.7 Danksagung 87