- AutorIn
- Dr. rer. medic. Jens Karl Wiegland
- Titel
- Die zentralisierte Therapie von Peniskarzinom-Patienten in Deutschland und Österreich: Kommender Behandlungsalltag oder ferne Zukunftsvision?
- Untertitel
- Ergebnisse einer Fragebogenstudie an deutschen und österreichischen Lehrstuhlinhaber:innen im Fachgebiet Urologie
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1053912
- Erstveröffentlichung
- 2026
- Datum der Einreichung
- 29.10.2024
- Datum der Verteidigung
- 26.03.2026
- Abstract (DE)
- Ergebnisse einer Fragebogenstudie an deutschen und österreichischen Lehrstuhlinhaber:innen im Fachgebiet Urologie zum Thema Peniskarzinom. Hintergrund: In Deutschland und Österreich zeigt das Peniskarzinom (Peka) derzeit eine steigende Inzidenz. Trotz dieser Zunahme bleiben die Fallzahlen pro Klinik niedrig, was auf die fehlende Peka-Zentralisierung dieser Länder rückführbar ist und potenziell die institutionelle Expertise in Diagnostik und Therapie des Peka beeinträchtigt. Im Vergleich hierzu zeigen sich in anderen Ländern, in denen eine Zentralisierung des Peka-Managements erfolgt, Vorteile in der Leitlinienadhärenz und auch im Überleben der Patienten. Die vorliegende Studie zielt darauf ab, die Auswirkungen der Peka-Fallzahlen auf das Behandlungsangebot sowie die Forschungskompetenz in deutschen und österreichischen Universitätskliniken zu untersuchen. Des Weiteren sollen Sichtweisen und Perspektiven der urologischen Lehrstuhlinhaber:innen in Deutschland und Österreich bezüglich einer möglichen Zentralisierung des Peka-Managements evaluiert werden. Zudem soll anhand aktueller PekaInzidenzen und der Behandlungszahlen der universitären Kliniken beider Länder eine Modellierung der jährlichen Peka-Patientenzahlen in den nicht-akademischen urologischen Kliniken erfolgen. Material und Methode: Ein in der Arbeitsgruppe hierfür entwickelter und prävalidierter Fragebogen wurde im Januar 2023 an alle 48 urologische Lehrstuhlinhaber:innen in Deutschland und Österreich gesendet. Der Survey enthielt spezifische Fragen zu den konkreten Peka-Fallzahlen der Klinik, zu den Sichtweisen der Lehrstuhlinhaber:innen bezüglich einer Zentralisierung des Peka-Managements, zu den derzeitigen Therapieverfahren der Klinik sowie zur aktuellen und avisierten Forschungskompetenz der Universitätsklinik. Die angegebene aktuelle Peka-Forschungskompetenz wurde kontextualisiert durch eine PubMed-Recherche der wissenschaftlichen Peka-Artikel beider Länder im Zeitraum 2012 bis 2022, wobei hier die aktuellen Forschungstrends auch durch bibliometrische Analysen sichtbar gemacht wurden. Durch die angegeben derzeitigen PekaFallzahlen und unter einer Linearitätsannahme für die nicht-antwortenden Universitätsklinika wurde, die aktuellen Peka-Inzidenzen beider Länder berücksichtigend, eine Modellierung der jährlichen Peka-Fallzahlen nicht-universitärer Kliniken vorgenommen. Ergebnisse: Die Antwortrate betrug 75% (36/48), wobei in diesen 36 Universitätskliniken eine mediane jährliche Peka-Fallzahl von 13 (IQR: 9-26) Patienten berichtet wurde. Es zeigte sich eine starke Unterstützung für eine mögliche Zentralisierung des Peka-Managements in einem mittelfristigen Zeitrahmen. 72% der Lehrstuhlinhaber:innen bevorzugten hierbei eine interne Zentralisierung (anhand der Universitätskliniken), während 28% eine geografisch-orientierte Peka-Zentralisierung empfehlen. Zudem unterstrichen 97% die Bedeutung von PekaZweitmeinungsportalen als Brücke bis zur Implementierung der Zentralisierung. Es wurden hierbei keine länder-spezifischen Unterschiede in den Perspektiven festgestellt. Die Modellierung erbrachte, dass gegenwärtig in Deutschland und Österreich etwa 60% der PekaPatienten in den universitären Kliniken behandelt werden, so dass sich daraus ableitet, dass im Durchschnitt eine nicht-universitäre Klinik weniger als einen Peka-Patienten per annum sieht. Andererseits fanden wir keine Hinweise, dass die strukturelle/institutionelle Qualität der Peka-Therapie signifikant von den Peka-Fallzahlen der universitären Klinik beeinflusst wurde. Knapp 40% der teilnehmenden Kliniken gaben an, retrospektive Studien beim Peka durchzuführen, während Grundlagenforschung und die Beteiligung an randomisiertenkontrollierten Studien deutlich geringer war. Es wurden insgesamt 205 Peka-Artikel (medianer Impact-Faktor je Artikel: 2,77 (IQR: 0,90-4,37)) identifiziert, wobei ein Anstieg der Publikationsanzahl in späteren Jahren sowie vermehrt multizentrische und multinationale Studien zu verzeichnen waren. Der Anteil der Grundlagenforschung ging im Beobachtungszeitraum signifikant zurück (p=0,041). Vier der fünf führenden Institutionen aus Deutschland und Österreich, die Arbeiten zum Peka publizieren, sind Universitätskliniken. Bibliometrische Analysen zeigten Autoren-, Länder- und institutionelle Netzwerke, Hauptforschungsbereiche sowie die Ziel-Zeitschriften für die Peka-Publikationen auf. Schlussfolgerungen: Trotz des Anstiegs der Peka-Fallzahlen an den deutschen und österreichischen Universitätskliniken zeigt sich kein Zusammenhang zwischen Fallzahlen und Behandlungsstruktur. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit hochspezialisierter, zentralisierter Peka-Zentren, um die Vorteile der Zentralisierung zu maximieren und die Behandlungsqualität zu verbessern. Die Bereitschaft der urologischen Lehrstuhlinhaber:innen, diesen notwendigen Zentralisierungsprozess zu unterstützen, ist sichtbar. Aus einer Zentralisierung sollte ebenfalls eine Verbesserung der Forschungskompetenz erwachsen. Der Rückgang der Grundlagenforschung wiegt schwer und sollte rasant durch die Etablierung finanziell-unterstützter Forschungsprojekte effektiv begegnet werden.
- Abstract (EN)
- Results of a questionnaire-based study among German and Austrian department heads in urology regarding penile carcinoma Background: In Germany and Austria, penile cancer (PeCa) is currently exhibiting an increasing incidence. Despite this rise, the number of cases per clinic remains low, attributable to the absence of centralized management of PeCa in these countries, potentially impacting the institutional expertise in PeCa diagnosis and therapy. Conversely, other countries implementing centralized PeCa management demonstrate advantages in guideline adherence and patient survival. This study aims to investigate the effects of PeCa case numbers on treatment offerings and research competence in German and Austrian university clinics. Moreover, it seeks to evaluate the perspectives of urological university department chairs (UUDCs) in Germany and Austria regarding potential PeCa management centralization. Additionally, it endeavors to model the annual PeCa patient counts in non-academic urological clinics based on current PeCa incidences and treatment figures from both countries' university clinics. Materials and Methods: In January 2023, a pre-validated questionnaire developed by the research group was distributed to all 48 UUDCs in Germany and Austria. The survey encompassed specific queries concerning the clinic's actual PeCa case numbers, perspectives of UUDCs regarding PeCa management centralization, current therapy methods, and present and projected research competence in the university clinic. The reported current PeCa research competence was contextualized through a PubMed search for scientific PeCa articles from both countries spanning 2012 to 2022, supplemented by bibliometric analyses highlighting current research trends. Using reported current PeCa case numbers and assuming linearity for non-responsive university clinics, a modeling of annual PeCa case counts in non-university clinics considering the current PeCa incidences of both countries was conducted. Results: The response rate was 75% (36/48), with these 36 university clinics reporting a median annual PeCa case count of 13 (IQR: 9-26) patients per clinic. A strong inclination towards potential PeCa management centralization within a medium-term framework was observed. 72% of UUDCs favored internal centralization (within university clinics), while 28% recommended a geographically oriented PeCa centralization. Additionally, 97% emphasized the importance of PeCa second opinion portals as a bridge to implementing centralization. No country-specific differences were observed in perspectives. Modeling revealed that presently, about 60% of PeCa patients in Germany and Austria are treated in university clinics, implying that on average, a non-university clinic sees fewer than one PeCa patient per annum. Conversely, no evidence suggested that the structural/institutional quality of PeCa therapy was significantly influenced by PeCa case numbers in university clinics. Approximately 40% of participating clinics reported conducting retrospective studies on PeCa, while basic research and participation in randomized-controlled trials were notably lower. A total of 205 PeCa articles (median impact factor per article: 2.77 (IQR: 0.90-4.37)) were identified, showing an increase in publication numbers in later years and a rise in multi-centric and multinational studies. The proportion of basic research significantly declined during the observation period (p=0.041). Four out of the top five institutions publishing PeCa paper from Germany and Austria are university clinics. Bibliometric analyses depicted author, country, and institutional networks, primary research areas, and target journals for PeCa publications. Conclusion: Despite the rise in PeCa cases at German and Austrian university clinics, no correlation was evident between case numbers and treatment structure. These findings underscore the necessity of highly specialized, centralized PeCa centers to maximize the benefits of centralization and improve treatment quality. The willingness of urological department chairs to support this necessary centralization process is apparent. Centralization should also foster enhanced research competence. The decline in basic research is concerning and should be promptly addressed through the establishment of financially supported research projects.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Urologie, Peniskarzinom, Fragebogenstudie
- Freie Schlagwörter (EN)
- Urology, penile carcinoma, questionnaire study
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- XH 8104
- GutachterIn
- Prof. Dr. med. Christian Thomas
- Prof. Dr. med. Axel Haferkamp
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1053912
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 09.07.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC 4.0- Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS ABBILDUNGSLEGENDE 1 EINLEITUNG 1.1 Wissenschaftlicher Hintergrund und Darstellung der Datenlage 1.2 Aufgabenstellung der Dissertation 2 MATERIAL UND METHODEN 2.1 Entwicklung des Fragebogens 2.2 Studiendurchführung und Konzeption der drei Unterthemen 2.3 Statistische Methoden für die drei Unterthemen 3 ERGEBNISSE 3.1 Rücklaufquote der Studie und Fallzahlen an den Universitätskliniken 3.2 Behandlungsangebote in Relation zu den jährlichen Fallzahlparametern 3.3 Sichtweisen der Lehrstuhlinhaber:innen zur Peka-Zentralisierung 3.4 Extrapolierung der Peka-Fallzahlen für die nicht-akademischen Kliniken 3.5 Ergebnisse der Umfrage zur gegenwärtigen Peka-Forschung an den Kliniken 3.6 PubMed-Recherche zur gegenwärtigen Peka-Forschung 3.7 Ergebnisse der bibliometrischen Analysen zur gegenwärtigen Peka-Forschung 4 DISKUSSION 4.1 Diskussion der Aufgabenstellung der Dissertation 4.2 Diskussion der Studienergebnisse 4.3 Diskussion der Studienlimitierungen 4.4 Schlussfolgerungen 5 ZUSAMMENFASSUNG / SUMMARY 5.1 Zusammenfassung 5.2 Summary 6 LITERATURVERZEICHNIS 7 TABELLEN- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS 7.1 Tabellen 7.2 Abbildungen 9 ERKLÄRUNG 10 DANKSAGUNG 11 ANHANG 12 PUBLIKATIONSLISTE DER ARBEITEN DIESER DISSERTATION