- AutorIn
- Judith Baumann
- Titel
- Der Jakobusbrief als integraler Bestandteil des Neuen Testaments
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1048246
- Erstveröffentlichung
- 2026
- Datum der Einreichung
- 30.01.2025
- Datum der Verteidigung
- 13.10.2025
- Abstract (DE)
- Die vorliegende Arbeit präsentiert einen innovativen literaturgeschichtlichen Ansatz, um die Position und Funktion des pseudepigraphen Jakobusbriefes neu zu bestimmen. Entgegen der traditionellen historisch-kritischen Exegese, die den Brief seit Luther oft als theologischen Fremdkörper und als unauflösbaren Widerspruch zur Rechtfertigungslehre des Paulus begreift, wählt die Arbeit einen innovativen methodologischen Zugang: Sie betrachtet das Neue Testament nicht als eine bloße Sammlung isolierter historischer Dokumente, sondern liest es als kohärente literarische Einheit und „kanonische Gesamterzählung“. Ein zentrales Merkmal der Untersuchung ist die konsequente Einbettung des Jakobusbriefes in die Erzählung der Apostelgeschichte. Mithilfe textlinguistischer und rezeptionsästhetischer Ansätze wird der Jakobusbrief als „kanonisches Pseudepigraph“ narrativ zwischen den Ereignissen von Apg 12 und Apg 15 situiert. In der erzählten Textwelt fungiert er somit als der älteste Brief des Neuen Testaments. Die Untersuchung zeigt, dass die Mehrdeutigkeiten im Jakobusbrief zu einem „Missverständnis“ durch Diasporajudenchristen führen. Dieses Missverständnis liefert die literarische Ursache für das Auftreten der „Unruhestifter” in Antiochia (Gal 2) und macht die spätere Konfliktlösung auf dem Apostelkonzil (Apg 15) im Gesamtkontext widerspruchsfrei verständlich. Durch die genaue Beachtung der erzählerischen Verknüpfungen und der impliziten Leseleitung kann die Untersuchung das historische Problem der späten Bezeugung des Jakobusbriefes überwinden und dessen Position im neutestamentlichen Kanon plausibel begründen. Sie erbringt darüber hinaus den Nachweis, dass das Neue Testament erst unter Einschluss des Jakobusbriefes als integraler Bestandteil in seiner Gesamtheit angemessen verstanden werden kann.
- Abstract (EN)
- This thesis presents an innovative approach within the history of literature aimed at redefining the position and function of the pseudepigraphical Epistle of James. Contrary to traditional historical-critical exegesis, which since Luther has often regarded the letter as a theological anomaly and an irresolvable contradiction to Paul’s doctrine of justification, this study adopts an innovative methodological approach: it does not view the New Testament as a mere collection of isolated historical documents, but reads it as a coherent literary unit and a ‘canonical overarching narrative’. A central feature of the study is the consistent embedding of the Epistle of James within the narrative of the Acts of the Apostles. Using text-linguistic and reception-aesthetic approaches, the Epistle of James is situated narratively between the events of Acts 12 and Acts 15 as a ‘canonical pseudepigraph’. Within the narrative world of the text, it thus functions as the oldest epistle of the New Testament. The study demonstrates that the ambiguities in the Epistle of James lead to a ‘misunderstanding’ among Diaspora Jewish Christians. This misunderstanding provides the literary cause for the appearance of the ‘troublemakers’ in Antioch (Gal 2) and makes the subsequent resolution of the conflict at the Council of Jerusalem (Acts 15) comprehensible without contradiction within the overall context. By paying close attention to the narrative connections and the implicit guidance for the reader, this study overcomes the historical problem of the late attestation of the Epistle of James and plausibly justifies its position within the New Testament canon. It further demonstrates that the New Testament can only be properly understood in its entirety when the Epistle of James is included as an integral part.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Jakobusbrief, Neues Testament, Apostelgeschichte, Kanongeschichte, Jakobus
- Freie Schlagwörter (EN)
- The Epistle of James, New Testament, Acts of the Apostles, History of the Canon, James
- Klassifikation (DDC)
- 200
- Klassifikation (RVK)
- BC 5020
- GutachterIn
- Prof. Dr. Matthias Klinghardt
- Prof. Dr. David Trobisch
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Förder- / Projektangaben
- Studienstiftung des deutschen Volkes Promotionsförderung
- Version / Begutachtungsstatus
- aktualisierte Version
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1048246
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 26.05.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC-SA 4.0- Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7 1. Einleitung 9 1.1 Hinführung und Motivation 9 1.2 Methodologische Reflexion 18 1.2.1 Text 18 1.2.2 Kohärenz und Kohärenzsignale 21 1.2.3 Rolle der Leserinnen und Leser 26 1.2.4 Das Neue Testament als ein Gesamttext 30 1.3 Arbeitshypothese und methodisches Vorgehen 35 2. Der Jakobusbrief als kanonisches Pseudepigraph 40 2.1 Der Jak in der neutestamentlichen Einheit Praxapostolos 40 2.2 Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte des Jak 45 2.3 Verfasserfiktion des Jak 52 2.3.1 Selbstcharakterisierung des Jak-Verfassers 52 2.3.2 Identifikation des Jak-Verfassers im Neuen Testament 54 2.3.3 Charakterisierung des Herrenbruders Jakobus im Neuen Testament 58 2.3.4 Referenzen auf die Herrenworte im Jak 60 2.4 Gliederung, Themenschwerpunkte und literarische Beziehungen des Jak 68 2.5 Die Jakobus-Paulus-Kontroverse – Ausgewählte Forschungspositionen zur Verhältnisbestimmung von Jakobus und Paulus 73 A1: Der Jak und die Paulusbriefe partizipieren an einer gemeinsamen Tradition 74 A2: Der Jak als polemische Reaktion auf die Paulusbriefe 76 A3: Der Jak korrigiert missverstandene Paulusbriefe 77 A4: Der Jak als Dokument des Paulinismus 78 2.6 Ertrag 80 3. Jakobus und Paulus in der Perspektive der kanonischen Gesamterzählung des Neuen Testaments 82 3.1 Problematisierung: Die im Neuen Testament erzählten Aposteltreffen und ihre Korrelationen 82 3.2 Jakobus und Paulus im Neuen Testament 88 3.3 Aposteltreffen nach Gal 1,18f./Apg 9,26–30 – Antrittsbesuch des Paulus in Jerusalem 92 3.3.1 Erzählter Anlass des Aposteltreffens nach Gal 1,18f./Apg 9,26–30 92 3.3.2 Erzählter Verlauf des Aposteltreffens nach Gal 1,18f./Apg 9,26–30 93 3.3.3 Erzählte Konsequenzen des Aposteltreffens nach Gal 1,18f./Apg 9,26–30 94 3.4 Aposteltreffen nach Gal 2,1–10/Apg 11f. – Erster Kollektenbesuch 95 3.4.1 Erzählter Anlass des Aposteltreffens nach Gal 2,1–10/Apg 11f. 95 3.4.2 Erzählter Verlauf des Aposteltreffens nach Gal 2,1–10/Apg 11f. 97 3.4.3 Erzählte Konsequenzen des Aposteltreffens nach Gal 2,1–10/Apg 11f. 100 3.5 Aposteltreffen nach Gal 2,11–14/Apg 15,1–29 – Grundsatzdebatte zur Heidenmission 101 3.5.1 Erzählter Anlass des Aposteltreffens nach Gal 2,11–14/Apg 15,1–29 101 3.5.2 Erzählter Verlauf des Aposteltreffens nach Apg 15,6–21 104 3.5.3 Erzählte Konsequenzen des Aposteltreffens Apg 15,22–29 107 3.6 Aposteltreffen nach Apg 21 – Zweiter Kollektenbesuch 116 3.6.1 Erzählter Anlass des Aposteltreffens nach Apg 21 116 3.6.2 Erzählter Verlauf des Aposteltreffens nach Apg 21 118 3.6.3 Erzählte Konsequenzen des Aposteltreffens nach Apg 21 120 3.7 Ertrag und Zwischenbilanz 121 4. Der Jakobusbrief in der kanonischen Gesamterzählung des Neuen Testaments 125 4.1 Problematisierung: Zur Einordnung von Teiltexten in die Textwelt des Neuen Testaments 125 4.2 Jakobus als Briefverfasser 127 4.3 Situierung des Jakobusbriefs in die kanonische Gesamterzählung des Neuen Testaments 130 4.4 Ertrag 138 5. Das Mehrdeutigkeitspotenzial des Jakobusbriefs 141 5.1 Problematisierung: Mehrdeutigkeit als Merkmal von Texten im Allgemeinen und dem Gesamttext „Neues Testament“ im Speziellen 141 5.2 Themenfelder des Jak mit Mehrdeutigkeitspotenzial 144 5.2.1 Themenfeld νόμος 144 5.2.2 Themenfeld ἔργα 153 5.3 Konsequenzen des im Jak angelegten Mehrdeutigkeitspotenzials für die kanonische Gesamterzählung des Neuen Testaments 162 5.4 Kommunikative Funktionen von Mehrdeutigkeit für die Interpretation des Neuen Testaments 174 (1) Rezeptionssteuerung 174 (2) Problematisierung hermeneutischer Prozesse 183 (3) Aktivierung der Leserinnen und Leser 184 5.5 Ertrag 186 6. Ergebnis und Ausblick 191 7. Verzeichnisse 204 7.1 Quellen (Editionen und Übersetzungen) 204 7.2 Hilfsmittel 205 7.3 Forschungsliteratur 206