- AutorIn
- Dr. med. Carlotta Neef Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik
- Titel
- Neuronale Korrelate des Körpergeruchs von Babys in der Vater-Kind-Beziehung
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1026244
- Erstveröffentlichung
- 2026
- Datum der Einreichung
- 13.04.2025
- Datum der Verteidigung
- 17.02.2026
- Abstract (DE)
- Hintergrund: Für die körperliche, emotionale und kognitive Entwicklung eines Kindes ist eine stabile Bindung zwischen Eltern und Kind von entscheidender Bedeutung. Verschiedene Signale eines Babys tragen dazu bei, dass Eltern eine gesteigerte Bereitschaft zur Fürsorge zeigen. Väter und Mütter können ihr eigenes Baby am Körpergeruch erkennen und ziehen diesen Geruch dem von anderen Kindern vor. Bildgebende Untersuchungen bei Müttern haben gezeigt, dass der Körpergeruch sowohl vom eigenen als auch vom fremden Kind die Aktivierung von Pleasure- und belohnungsbezogenen Arealen bewirken kann. Fragestellung: Werden durch die Babygerüche Hirnareale für olfaktorische Verarbeitung, Belohnung, Angenehmheit und soziale Kognition bei Vätern aktiviert und wie unterscheidet sich diese Aktivierung im Hinblick auf das eigene vs. ein fremdes Kind? Methode und Material: Im Rahmen der fMRT-Studie wurde die neuronale Aktivität von 20 Vätern auf den Körpergeruch von Babys (0-3 Jahre) untersucht. Um eine Aussage über die neuronale Aktivierung zu treffen, wurde durch Whole-Brain Analysen und ROI-Analysen das gemessene BOLD-Signal und die funktionelle Konnektivität auf statistische Signifikanz getestet. Ergebnis: Es konnte für jede Region-of Interest in den Netzwerken Olfaktorik, Belohnung und Pleasure ein erhöhtes BOLD-Signal im Vergleich zur Baseline nachgewiesen werden. Jedoch zeigte sich kein signifikanter Unterschied im BOLD-Signal für die Aktivierung des eigenen vs. des fremden Babys in den 3 Netzwerken. Durch die Konnektivitätsanalyse konnte gezeigt werden, dass die Verbindung des Nucleus cau-datus zu dem ventralen tegmentalen Areal eine erhöhte Konnektivität beim Körpergeruch des eigenen Babys im Vergleich zum Körpergeruch des fremden Babys aufwies. Schlussfolgerung: Es konnte festgestellt werden, dass der kindliche Körpergeruch im väterlichen Gehirn spezifische Regionen des Pleasure und Belohnungs- Netzwerkes aktiviert, was zu einer erhöhten Bereitschaft zur Fürsorge führt, die sich wiederum damit positiv auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirken kann. Ebenso ist die neuronale Konnektivität erfahrungsabhängig und stärker in Reaktion auf das eigene Baby. Dieser Effekt gilt nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter. Diese Erkenntnis erweitert das Konzept des Kindchenschemas und lässt vermuten, dass Niedlichkeit nicht nur über visuelle und auditive, sondern auch über olfaktorische Reize kommunizieren können.
- Abstract (EN)
- Background: A secure attachment between parents and their child is crucial for the child’s physical, emotional, and cognitive development. Various stimuli from a baby contribute to an increased willingness of parents to care for them. Fathers and mothers can recognize their own baby by body odor and prefer it over the odor of other children. Imaging studies in mothers have shown that the body odor of both their own and other children can activate areas of the brain related to pleasure and reward. Research question: Are brain areas involved in olfactory processing, reward, pleasantness, and social cognition activated by baby odors in fathers, and how does this activation differ in relation to their own versus another child? Methods and Material: In this fMRI study, the neural activity of 20 fathers was investigated in response to the body odor of babies (0-3 years). To assess neural activation, whole-brain analyses and ROI analyses were conducted to test the measured BOLD signal and functional connectivity for statistical significance. Results: An increased BOLD signal compared to the baseline was observed for each region of interest within the olfactory, reward, and pleasure networks. However, no significant difference in BOLD signal was found for the activation in response to one's own baby versus an unfamiliar baby across the three networks. The connectivity analysis revealed that the connection between the caudate nucleus and the ventral tegmental area showed increased connectivity when exposed to the body odor of one's own baby compared to that of an unfamiliar baby. Conclusion: It has been found that the scent of a baby activates specific regions of the pleasure and reward network in the paternal brain, leading to an increased willingness to care, which in turn can have a positive effect on the parent-child relationship. Similarly, neural connectivity is experience-dependent and stronger in response to one's own baby. This effect applies not only to mothers, but also to fathers. These finding extends the concept of infantile pattern and suggests that cuteness can communicate not only through visual and auditory stimuli, but also through olfactory stimuli.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Körpergerüche, Vater-Kind-Beziehung, Belohnungssystem, Fürsorge
- Freie Schlagwörter (EN)
- body-odors, Father-child-relationship, reward system, Caregiving
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- YN 4204
- MS 1990
- GutachterIn
- Prof. Dr. Ilona Croy
- Prof. Dr. Thomas Hummel
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1026244
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 24.04.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY 4.0- Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1 1.1 Das Phänomen der Bindung 1 1.1.1 Korrelate der Vater-Kind-Bindungsqualität 2 1.2 Neuronale Korrelate der Bindung 3 1.2.1 Neurobiologische Einflussfaktoren 3 1.2.2 Wie wird Bindung vermittelt? 4 1.2.3 Niedlichkeit als Bindungssignal 6 1.3 Grundlagen Olfaktorik 8 1.3.1 Anatomische und neuronale Verarbeitung von Geruch 8 1.3.2 Funktion des Geruchs 10 1.3.3 Körpergeruch und seine Komponenten 10 1.3.4 Besonderheiten der neuronalen Verarbeitung von Körpergerüchen 11 1.4 Bisherige Studienlage 12 1.4.1 Neuronale Strukturen in der väterlichen Verarbeitung kindlicher Signale 14 2 Hypothesen 15 3 Material & Methoden 16 3.1 Studienvorbereitung 16 3.1.1 Ethische Aspekte 16 3.1.2 Fallzahlschätzung 16 3.1.3 Studienteilnehmer 16 3.1.4 Geruchsprobenspender 17 3.1.5 Riechtest 17 3.1.6 Geruchskonservierung 17 3.2 fMRT-Untersuchung 18 3.2.1 Grundlagen der funktionellen Magnetresonanztomographie 18 3.2.2 Technische Kenngrößen des fMRT 19 3.2.3 Versuchsaufbau 20 3.2.4 Versuchsablauf 20 3.3 Datenauswertung 22 3.3.1 Datenvorverarbeitung 22 3.3.2 Statistische Auswertung 24 4. Ergebnisse 29 4.1 Hypothese 1 29 4.2 Hypothese 2 36 4.3 Hypothese 3 42 5 Diskussion 47 6 Limitation 56 7 Fazit 57 8 Ausblick 58 9 Zusammenfassung 59 10 Summary 60 11 Literaturverzeichnis 61 12 Abkürzungsverzeichnis 75 13 Tabellenverzeichnis 76 14 Abbildungsverzeichnis 77 15 Anhang 78 15.1 Beschreibung der Stichproben 78 15.2 Beschreibung ROI-Masken 79 15.3 Whole-Brain Analyse 81 15.4 Weitere Abbildung der Konnektivitätsanalyse 86 15.5 Schematische Darstellung Paternal brain network 86 15.6 ROI- Analyse Paternal brain network 88 15.7 Konnektivitätsanalyse Paternal brain network 89 15.8 Korrelationsanalyse: subjektive Geruchsbewertung 92 15.9 Korrelationsanalyse Verhaltensdaten 92 15.10 Genauigkeit der Babyerkennung 96 15.11 Subjektive Wahrnehmung der Babygerüche 96 15.12 Studieneinladung 97 15.13 Datenschutzerklärung 98 15.14 Einwilligungserklärung 100 16 Danksagung 101 17 Anlagen 102 17.1 Erklärung zur Eröffnung des Promotionsverfahren 102 17.2 Erklärung zur Einhaltung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben 103