- AutorIn
- Dr. med. Christina Dreissig
- Titel
- Evaluierung der Beweglichkeitsunterschiede bei degenerativen Rückenerkrankungen
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1024817
- Erstveröffentlichung
- 2026
- Datum der Einreichung
- 18.10.2024
- Datum der Verteidigung
- 10.02.2026
- Abstract (DE)
- Validierung eines innovativen Messsystems namens Epionics SPINE bei degenerativen Rückenerkrankungen. Ziel und Fragestellung: Rückenschmerzen sind ein omnipräsentes Thema. Ausweislich der von der Gesundheitsberichterstattung des Bundes erhobenen Daten gehören Rückenschmerzen zur häufigsten Schmerzart aller Altersgruppen. Aufgrund der Heterogenität des Krankheitsbildes steht der Behandler bei der Erstellung eines fundierten Behandlungsplanes sowie des Therapiemonitoring vor großen Herausforderungen. Therapieentscheidungen sind häufig mit weitreichenden Folgen verbunden. Studien zeigen den Zusammenhang zwischen Depression und erfolgter Operation bei Rückenschmerzen, wenn keine morphologische Veränderung vorlag. Bildmorphologische Veränderungen zeigen sich aber meist erst in späteren Phasen Zusammenfassung der Erkrankung, so dass eine frühzeitige Analyse der Bewegung und Bewegungseinschränkung notwendig und sinnvoll ist, um zeitnah in den Krankheitsprozess einzugreifen. Die vorliegende Arbeit untersucht ein diagnostisches Tool, das die Funktionalität der Wirbelsäule und individuelle Veränderungen darstellen kann und im Alltag ohne größeren technischen Aufwand anwendbar ist - Epionics SPINE. Ziel dieser Arbeit ist die Validierung des Gerätes zur Einsetzbarkeit im klinischen Alltag. Die Messergebnisse wurden den mit den Ergebnissen etablierter klinischer Tests und Fragebögen verglichen. Material und Methoden: Es wurden initial insgesamt 155 Patienten mit bildmorphologisch gesicherten mono- oder bisegmentalen Rückenerkrankungen mit den vier definierten Krankheitsbildern Facettengelenksarthrose, Bandscheibenvorfall, Spondylolisthese und Osteochondrose eingeschlossen und über 24 Stunden mit Epionics SPINE vermessen. Neben einer standardisierten Kurzzeitmessung nach Applikation des Gerätes wurden die Werte für den Schober und Ott Test erhoben und die Ergebnisse der visuellen Analogskala (VAS) und des Oswestry Disability Index (ODI). Die Auswertung erfolgte anhand 135 vollständiger Datensätze. Das System besteht aus zwei parallel zur Wirbelsäule angebrachten Sensorbändern. Die integrierten Dehnungsstreifen erfassen Gradzahl und Geschwindigkeit der einzelnen Wirbelkörper. Über eine tragbare Speichereinheit können die Daten per Bluetooth an die Anwendersoftware gesendet werden, oder auf eine Speicherkarte über 24 Stunden zum späteren Auslesen gespeichert werden. Über standardisierter Anbringung erfolgt die Zuordnung zum einzelnen Wirbelkörper. Ergebnisse: Alle Probanden gaben einen minimalen Wert auf der visuellen Analogskala von drei an (Min: drei, Max: zehn), die Ergebnisse des ODI lagen im Durchschnitt bei 30% (männlich 28,58% und weiblich 33,65%), so dass hier eine einschränkende Symptomatik bei allen Probanden postuliert werden kann. Der Schober-Test zeigte ebenfalls bei >90% der Probanden ein pathologisches Ergebnis sowie einen hochsignifikanten Unterschied zwischen den einzelnen ODI-Gruppen (p<0,01 35 und ODI 36-70 sowie p<0,001 zwischen ODI <35 und Größer >70). Damit ist der statistische Zusammenhang von Einschränkungen im Alltag und Beweglichkeitseinschränkung bewiesen. Für die Messergebnisse mit Epionics SPINE konnten signifikante Unterschiede in den Lordose- bzw. Kyphosewinkeln in Extension (Lordose: Alter p=0.001, Größe p=0.024, Geschlecht p=0.002 ODI p=0.003; Kyphose: Größe p=0.005, Geschlecht p=0.009 und BMI p=0.001) sowie in Flexion (Lordose: Diagnose p=0.008, BMI p=0.009; Kyphose: Diagnose p=0.014 und ODI <0.001) nachgewiesen werden. Innerhalb der ODI-Gruppen werden signifikante Unterschiede im Bewegungsumfang (gemessen als Differenz im Schober-Test und mittels Epionics SPINE) mit p<0.001 sowohl für Epionics SPINE als auch in der Differenz im Schober-Test nachgewiesen. Eine solch analoge Unterscheidung mittels beider Messverfahren lässt sich innerhalb der Altersgruppen erheben (Epionics SPINE p=0.004 und Schober-Test p=0.005). Für die Gruppen Diagnose, BMI und VAS zeigt sich entweder kein signifikanter Unterschied oder mit nur einer der beiden Messmethoden (BMI-Epionics SPINE p=0.012). Für die ROM Kyphose und die Differenz im Ott-Test gibt es keine signifikanten analogen Unterschiede. Im Vergleich der Bewegungsmessung mittels Epionics SPINE sowie klinischen Parametern zeigt sich für die ROM Lordose bzw. Kyphose in der Korrelation nach Spearman ein hochsignifikanter Zusammenhang für die Lordose, für die Kyphose nicht. Zudem zeigt die ROM Lordose ebenfalls statistisch signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen ODI-Gruppen (hoher ODI-Wert geht mit einer geringen ROM einher: Sig 0,004, KK -0,245) analog zum SchoberTest. Der Finger-Boden-Abstand zeigt ebenfalls eine signifikant negative Korrelation sowohl mit der ROM Epionics als auch mit dem Bewegungsumfang im Schober-Test. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule korreliert mit dem Grad der Einschränkungen, die für den Patienten im Alltag entstehen (dargestellt als ODI-Ergebnisse). Dies ist unabhängig von der zugrundeliegenden (bildmorphologischen) Diagnose. Das individuelle Monitoring der Beweglichkeitsunterschiede ist in der Behandlung somit von enormer Bedeutung. Die vorliegenden Untersuchungen haben sowohl eine statistisch signifikante Korrelation der Ergebnisse zwischen den Messungen der klinischen Bewegungsmessung (Schober und OttTest, Finger Boden Abstand) und den Messungen mit Epionics SPINE gezeigt, als auch einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Beweglichkeit gemessen mit Epionics SPINE und standardisierten Fragebögen. Setzt man den Schober und Ott Test als etabliertes Verfahren der Beweglichkeitsmessung voraus kann postuliert werden, dass Epionics SPINE die Beweglichkeit korrekt wiedergeben kann. Weder mit dem Schober und Ott Test noch mittels Epionics SPINE konnten signifikante Unterschiede in den Bewegungsmessungen zwischen den Diagnosegruppen festgestellt werden. Dies lässt darauf schließen, dass nicht die zugrundeliegende Pathologie äquivalent zur Bewegungsveränderung ist, sondern individuelle Besonderheiten und vermutlich der Schweregrad der einzelnen Erkrankung Einfluss nehmen. Für die Lordose wurden gleiche Ergebnisse mittels klinischer Bewegungsmessung und Messung der ROM mittels Epionics SPINE festgestellt. Bei Messung der ROM Kyphose zeigten sich heterogene Ergebnisse. Die Gegenüberstellung der Bewegungsübungen mittels Differenz im Schober-Test und ROM Lordose, sowie Lordosewinkel in Flexion und Extension im Vergleich zum Schober-Test in Flexion und Extension zeigen eine Korrelation der Messergebnisse. Damit kann eine valide Messung für die Lendenwirbelsäule statistisch nachgewiesen werden. Grenzen zeigen sich bei der Messung im Brustwirbelbereich. Homogene Ergebnisse können für die Lordose, aber nicht für die Kyphose gezeigt werden. Offene Fragen bestehen bei der Einflussnahme des BMI auf die Messergebnisse (vergrößerter Abstand zwischen Wirbelsäule und Messinstrument) sowie die exakte Übertragbarkeit auf einzelne Wirbelkörper trotz standardisierter Anbringung. Schlussfolgerung: Durch die vorliegenden Ergebnisse lässt sich nachweisen, dass Epionics SPINE ein valides Tool zur dynamischen Messung der Wirbelsäule (im Lendenwirbelbereich) ist. Es handelt sich nicht um ein Tool zur Ermittlung der zugrundeliegenden Pathologie. Vielmehr ist es für funktionelle Messungen und damit für individuelle (Verlaufs-) Kontrollen und Therapieerfolgskontrollen unabhängig von der zugrundeliegenden Diagnose sinnvoll einsetzbar. Mit dieser Arbeit kann nachgewiesen werden, dass die Messung mit Epionics SPINE valide Ergebnisse bei der Beurteilung der Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule liefert und somit das Potential hat, eine diagnostische Lücke zu schließen.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Epionics, SPINE, chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich
- Freie Schlagwörter (EN)
- Epionics, SPINE, chronic low back pain
- Klassifikation (DDC)
- 610
- Klassifikation (RVK)
- YV 1704
- YG 6904
- GutachterIn
- Prof. Dr. Dr. Carl Alexander Disch
- Prof. Dr. Mario Cabraja
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1024817
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 26.03.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC-SA 4.0